Bergtour zur Glöcknerin 2432 m am 07.07.2017

Wer Obertauern hört, denkt automatisch ans Skifahren. Im Sommer will niemand dahin, weil es dort nur öde Skianlagen, verschandelte Landschaft und leere Hotels gibt. So dachten auch wir.

Trotzdem starteten wir, das waren Sabine, Renate, Sepp, Alfred, Herrmann und ich, früh morgens nach Obertauern. Das sollte nämlich der Ausgangspunkt für unsere Besteigung der Glöcknerin sein. Die Glöcknerin ist ein Berg in der Scheitellinie der Radstädter Tauern über die man von Obertauern bis zur Südwiener Hütte viele Gipfel „mitnehmen“ könnte.

Unser Weg führte gleich neben dem DAV-Haus Obertauern, am „Turm“ und dem Hotel Schneider vorbei. Ein Drahtzaun wurde an einer günstigen Stelle überstiegen und schnurstracks auf die steile Skiabfahrt zugehalten. Wenn das so steil wird wie es von unten aussieht – na dann. Das Problem in Obertauern ist nicht die verschandelte Landschaft, ganz so schlimm sieht es dort auch nicht aus, sondern die fehlenden Wegmarkierungen. Für die Sommertouristen wird scheinbar nicht viel gemacht und das ist eher das Schlimme.

In Zeiten des GPS ist man jedoch nicht immer auf Beschilderungen angewiesen und so konnte ich mich an einem Track (=gespeicherte GPS-Route) orientieren. Gott sei Dank bog die Route nach links ab, bevor es richtig steil wurde. Weglos bzw. verschiedene Steig und Trittspuren nutzend, ging es immer weiter der Piste hinauf. Bis wir endlich unter der Bergstation des Gamsleitenlifts 2 zu einem immer steiler werdenden Pfad querten. Auf einem schmalen und ausgesetzten Wiesengrat ging es zur Gamsleitenspitze 2357 m. Die Gratschneide führte einfach nur über den Gipfel hinweg und auf der anderen Seite genauso steil und exponiert hinunter zur Zehnerkarscharte.

An einem kleinen Stausee, der für die Beschneiungsanlagen eingerichtet wurde machten wir Brotzeit. Den weiteren Weg konnten wir bereits ausmachen. Er führte uns in einem felsdurchsetzten Kar in weitem Bogen hinauf zu einer steilen Rinne (I+), an deren oberen Ende man auf den felsigen Gipfelrücken gelangt. Nach kurzer Zeit hatten wir den nächsten Gipfel erreicht. Die Zehnerkarspitze 2381 m. Von dort aus konnten wir schon unsere nächsten Ziele sehen. Die Aussicht ließ es schon erahnen. Es musste wieder weit abgestiegen werden.

Unter dem Predigtstuhl querten wir lange durch das Zinnerkar immer absteigend, bis uns schließlich ein kurzer steiler Anstieg auf einen breiten Grasrücken führte. Von hier ging es nun in Schutt und Schrofen dem nächsten Gipfel entgegen, der Glöcknerin 2432 m. Hier ließen wir uns zu einer zünftigen Gipfelbrotzeit nieder und genossen die grandiose Aussicht vom Dachstein bis zu den Hohen Tauern. Eigentlich könnte man dem Kamm noch weiter folgen. Hinüber zur hinteren Großwandspitze und weiter über den Pleißlingkeil zum Hengst und zur Südwiener Hütte auf der oberen Pleißlingalm.

Da wir aber heute noch nach Hause wollten, stiegen wir in einen Sattel zwischen hinterer Großwandspitze und Glöcknerin ab und folgten dem Weg in ein großes Kar hinein, der uns weiter zum Wildsee führte. Hier und in der weiteren Folge hatte die Natur ihren Blumenteppich ausgebreitet. Almenrausch und Enzian, Hahnenfuß und Silberwurz, Seifenkraut und Hornklee und noch viele andere, wunderschöne Blumen deren Bestimmung uns mehr oder weniger gut gelang, wuchsen hier. Wir merkten wie sich die Vegetationszone im Abstieg änderte. Zunächst noch in üppig wachsenden Stauden wie Gemmer und Sauerampfer, dann durch Büsche und Krummholz und zuletzt durch Zirben- und Lärchenwald ging es weiter, bis wir schließlich die Almböden und Skipisten kurz oberhalb der Ortschaft erreichten.

Das schwierigste war hier wieder einen Weg in den Ort zu finden, da es viele Maschendrahtzäune und Sumpfböden gibt, die man irgendwie umgehen muss. Irgendwie haben wir es dann trotz fehlender Markierungen und Schilder auch geschafft. Selbst der GPS-Track war hier nicht ganz eindeutig.

Aber trotzdem kann man zum Schluss sagen, dass wir in diesem Skiort nicht mit einer so landschaftlich schönen Tour gerechnet hatten. Sowohl die anspruchsvollen Wege, wie auch die tollen Gipfelausblicke und die herrliche Flora haben uns begeistert

Text und Fotos: Sepp Zwinger

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