Bergwandern am Spitzingsee (15.06 - 17.06.)

Am Freitag den 15.06.18 fuhren drei Autos voll mit Straubinger Bergsteigern des Alpenvereins in Richtung Schliersee, dem Herzen der Münchner Wandergebiete. Ursprünglich wollte man ja mit dem Zug anreisen, aber das erwies sich bei näherer Betrachtung als zu umständlich und zu teuer.

Am Bahnhof in Neuhaus trafen wir am Parkplatz noch auf zwei weitere Teilnehmerinnen, die schon vorher angereist waren. Gemeinsam fuhren wir zum Wanderparkplatz und rüsteten uns für die Tour. Da wir bestes Wetter hatten und die Sonne heiß herunter brannte, schmierten wir uns entsprechend mit Sonnenschutz ein. Die schweren Rucksäcke geschultert und los ging es. Das heutige Tagesziel war zwar das DAV-Haus Spitzingsee, allerdings nicht einfach so. Über die Brecherspitze sollte es gehen.

Bald erreichten wir offene Almflächen auf denen eine üppige Vegetation wuchs. Das Blumenraten machte den Weg sehr kurzweilig und bis wir uns versahen, stiegen wir auch schon weglos über prächtige Almmatten hinauf. Irgendwann trafen wir dann wieder auf einen Weg, den unsere beiden frisch gebackenen Trainer C Bergwandern zielgerichtet ansteuerten. Steil ging es an einer Wiesenflanke hinauf zur kleinen Bergkapelle St. Leonhard. Von hier konnte man wunderschöne Ausblicke auf die Bayrischen Voralpen genießen. Durch Latschengassen ging es weiter bis zum Vorgipfel und dann über Felsen, teils drahtseilgesichert, hinauf zum Gipfel der Brecherspitz mit 1685 m.
Nach ausgiebiger Gipfelbrotzeit ging es über die Felsen zurück und dann weiter hinunter zur oberen Firstalm. Berühmt war diese Alm früher für ihre Faschingsgaudi, wo mutige Burschen mit den unmöglichsten Schlittenkonstruktionen waghalsig den Berg hinunter sausten. Bis einige einmal zu wagemutig waren. Jetzt gibt es das nicht mehr. Zu unserer Enttäuschung war die Alm wegen Umbau geschlossen. Die erhoffte Buttermilch musste für einige deshalb ausfallen. Allerdings ging es auf dem Wirtschaftsweg recht gemütlich hinaus zum Spitzingsee. Der Durst war groß und so kehrten wir gleich beim erstbesten Kiosk ein. Hier stießen noch zwei weitere Teilnehmer hinzu. Jetzt waren wir mit 14 Personen komplett.
Es war nicht mehr weit zum DAV-Haus Spitzingsee. Ein betreutes Haus, in dem man sich an einer der vielen Kochstellen selber verpflegen kann. Ideal für Familien mit Kindern. Wer aber mehr Luxus mag, kann durch die Albert-Link-Hütte mit Essen versorgt werden. Das war natürlich was für uns und die anderen Gäste, die sich hier im Ausbildungskurs zum Trainer C Bergwandern befanden. Essenszubereitung gehört nämlich nicht zum Kursprogramm. Das Haus hat einen eigenen Charme und für die gute Atmosphäre und Betreuung sorgt Melli mit ihrem kleinen Laden.
Am nächsten Tag ging unsere Tour nach einem kräftigen Frühstück weiter. Über die Aiplspitze zum Taubensteinhaus. Zunächst ging es vom Spitzingsattel über schöne Almwiesen und hohen Bergwald hinauf zur Jägerbauernalm. Dort sollte es Murmeltiere, freilaufende Schweine und sonstige Viechereien geben. Die Alm war noch sehr ursprünglich, kein Schnickschnack und kein Massentourismus. Die Almerin bot ein paar selbstgemachte Milcherzeugnisse an. Wir ließen uns auf der Wiese nieder und konsumierten erstaunlicherweise nichts. Als wir dann auch noch die hölzerne Toilette benutzten, war die Almerin gar nicht erfreut, grad dass sie uns nicht ausschaffte.
Also zogen wir weiter. Über einen kleinen Sattel ging es hinüber zur Benzingalm und von dort an den Fuß der Aiplspitz. In unzähligen Kehren ging es durch dicht stehende Latschen hinauf zum Nordgrat. Hier wurde es etwas luftiger und über Felsen erreichten wir in leichter Kletterei den Gipfel der Aiplspitz mit 1759 m. Gemeinsam stiegen wir über den Westgrat hinunter zum Tanzeck. Dort teilten wir uns. Während die einen gleich hinüber zum Taubenstein Haus gingen, konnten drei andere nicht genug bekommen und stiegen hinüber zum Jägerkamp, 1746 m. Auf den Wiesen bei der Schnittlauchmoosalm, wuchs tatsächlich wilder Schnittlauch. So ein Zufall aber auch. Nach einem kurzen Besuch der wilden Fräulein, einer auffallenden Felsformation, stiegen wir ab zur Schönfeldhütte auf 1410 m. Weil der Durst recht groß war, kehrten wir ein. Über ein mobiles Telefon erfuhren wir, dass wir schnellstens zum Taubensteinhaus aufsteigen sollten, damit wir noch ein Abendessen bekommen. Befehl von der Wirtin. Im Eilschritt ging es hinauf. 226 Hm in 23 min. Zu essen gab es dann doch noch was, wenn auch umständlicherweise etwas anderes als vorgesehen. Trotzdem, die Hütte an sich ist gemütlich und so saßen wir noch einige Zeit beieinander.
Am 3. Tag sollte es noch auf die Rotwand gehen. Zuerst ging es aber auf den Taubenstein 1692 m., dessen Gipfel man recht schnell erreicht. Ganz einfach ist er zwar nicht, aber einige Drahtseile helfen an den schwierigen Stellen weiter. Über die Kleintiefenthalalm ging es hinauf zum Miesingsattel. Dort zweigte ein unmarkierter Pfad ab, der sogenannte Kriegersteig. Da unsere beiden Wanderleiter über eine große Gebietskenntnis verfügten, stiegen wir über diesen, dem normalen Wanderer verborgenen Weg, hinauf zur Rotwand 1886 m. Wieder einmal ging es durch dichtes Latschengestrüpp hindurch. Aber bald befanden wir uns auf einem freien Wiesenhang, der immer steiler wurde. Wer hätte gedacht, dass es in diesem Gebiet so steile Wiesen gibt. Kurz vor dem Gipfel artete es noch zu einer Grasbüschel-Felsen-Kletterei aus. Wir hatten den höchsten Punkt unserer Tour erreicht.
Mittlerweile hatte es etwas zugezogen und es war kälter geworden. Allzu lang hielten wir uns deshalb nicht. Ein paar Gipfelfotos und schon stiegen wir an den Rotwandköpfen vorbei, in Richtung Kirchstein ab. Natürlich haben einige die Rotwandköpfe nicht ausgelassen. Auf dem Peter Schöpfer Steig, ging es zur unteren Wallenburger Alm, wo wir nochmals eine kleine Pause einlegten. Leider hatte die Alm zu, so dass uns für den Durst nur der Quellbrunnen vor dem Haus zur Verfügung stand. Aber jeder hatte ausreichend Proviant dabei, so dass niemand hungern musste. Weglos, aber zielsicher, suchten unsere Wanderleiter unter dem Maxlreinerlift hindurch, den Weg zum Schwarzenkopf. Sicher hätte man den Schwarzenkopf auch umgehen können, aber der Weg oben drüber war viel reizvoller. Der Wald und die Quellmoore sind Biotope ganz eigener Art und es war den kurzen Aufstieg allemal wert.
Am Spitzingsee kehrten wir in einem wunderschönen Gasthaus ein. Gerade als wir uns auf der Terrasse niederließen, begann es zu tröpfeln. Damit das gute Schnitzel nicht nass wurde, verzogen wir uns schnell ins Innere der Gaststätte. Einer der Teilnehmer hatte sein Auto gleich in der Nähe abgestellt und transportierte die Fahrer nach Neuhaus, damit sie mit ihren Autos zurückkehren konnten, um uns abzuholen. Es war eine unvergleichlich schöne Tour die uns Kalle und Diana da geboten hatten. Ein herzliches Dankeschön dafür. Auch das Timing mit dem Wetter hatte gepasst. Richtig zum Schütten fing es erst bei der Heimfahrt an.

Sepp Zwinger

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