DAV Wanderreise Sardinien 3. - 10. Mai 2018

Nachdem die beiden Organisatoren Gerhard und Renate Schedlbauer diese Sardinienreise vorgestellt hatten, waren die 36 zur Verfügung stehenden Plätze auch sehr rasch ausgebucht, denn die italienische Insel Sardinien im Frühling, das ist für viele ein lohnendes Ziel.

Vom Flughafen München ging es in 1 Stunde und 20 Minuten nach Olbia. Neben Cagliari im Süden ist Olbia im Nordosten der Insel das Zentrum des Flug - und Schiffsverkehrs und der wichtigste Passagierhafen der Insel, denn von hier aus strömen die Touristen zur Costa Smeralda, einer jener berühmten Strandregionen der Welt. Und die war auch unser Ziel. 

Wer zuhause schon den Wetterbericht studiert hatte, der war nicht überrascht, einen mit dichten Wolken verhangenen Himmel zu sehen und zu hören, dass es seit Tagen heftigste Niederschläge auf der Insel gegeben hatte; und die Prognose für die kommenden Tage war auch eher regenreich. Aber auf all unseren Touren wurden wir kein einziges Mal von Regen überrascht, obwohl der regelmäßig angekündigt worden war. Ergiebige Regengüsse gingen immer wieder in der Nacht nieder oder in anderen Regionen der Insel.

Unser Standort war das 4**** Blu Hotel Baja in Canningione. Mit Frühstücks - und Abendbuffet waren wir reichlich versorgt und konnten die kräftige, bodenständige sardische Küche mit viel Gemüse und Fisch und deftigem Fleisch genießen.

Am ersten Wandertag fuhren wir mit dem Bus, der uns die ganze Woche zur Verfügung stand, etwa 25 Minuten zum Ausgangspunkt, von wo aus wir durch hochwüchsigen Macchiawald zum ca. 3 km entfernten Strand der Costa Smeralda mit ihren wunderschönen Buchten kommen wollten. Marlene, unsere sardische Wanderführerin, hatte Mühe, Wege zu finden, auf denen wir nicht versanken, denn die sonst kleinen Rinnsale und Flüsschen waren stark angeschwollen und versperrten uns geradezu den Weg. Nach mehrmaligem Umkehren wussten wir, dass wir einfach Schuhe und Strümpfe ausziehen müssen, um ans Meer zu gelangen.

Mit überschwemmten Wegen mussten wir uns auch in den folgenden Tagen zurechtfinden. Mit gegenseitiger Hilfe und erfinderischer Brückenbautechnik sahen wir das bald als echte Herausforderung an; und wir erreichten eine gewisse Fertigkeit, die nassen Passagen auf Steinen und Zweigen balancierend trockenen Fußes zu bezwingen.

Die sich über ca. 20 km erstreckende stark zerklüftete Costa Smeralda bietet weite Sandstrände mit malerischen Buchten, die Anfang Mai noch menschenleer sind, denn die Saison beginnt erst im Juni. Das an Sonnentagen smaragdfarben glänzende Meer mit glasklarem Wasser verleiht diesem Küstenabschnitt seinen Namen.

Nach der 4stündigen Wanderung besuchten wir den mondänen Ort Porto Cervo, ein auf dem Reißbrett in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts entworfenes Städtchen in einer Art maurischem Stil mit vielen Treppen und Terrassen. Naturstein als Baumaterial in Ocker, Weiß oder Felsgrau bietet ein sehr einheitliches geschmackvolles Aussehen. Denn der Vater dieses Ferienparadieses, Karim Aga Khan, einer der reichsten Männer der Welt, hatte strenge Bauvorschriften erlassen, um Architektur und Natur miteinander in Einklang zu bringen. Nobelboutiquen mit exklusiven, hochpreisigen Markenartikeln geben Zeugnis, dass hier nur die Reichen und Schönen dieser Welt zum Shoppen gehen.

Unser Ziel am nächsten Tag war im Nordwesten der Costa Smeralda die unter Naturschutz stehende Insel Caprera, eine der 7 Inseln des Archipels La Maddalena, von denen die Insel gleichen Namens die größte ist. Mit der Autofähre ging es von Palau zunächst nach La Maddalena, und von dort aus über einen 600 m langen Damm auf die Insel Caprera.

Diese Insel erwarb Guiseppe Garibaldi im Jahr 1856; bis zu seinem Tod 1882 lebte er die meiste Zeit da, und so fand er hier auch seine letzte Ruhestätte. Die von ihm benutzten Räume sind heute Museum.

Die dichte Macchia mit wundervoll blühender Zistrose in Weiß, Lila und Rosè mit Schopflavendel, Ginster, Myrte, Ölbaum, Steineiche und vielen anderen Sträuchern verströmte einen intensiven Duft. leuchtend weiße riesige Granitfelsen in unterschiedlichsten Formationen forderten unsere Phantasie heraus und ließen uns hier einen Drachen, da einen Bären oder anderswo ein menschliches Profil erkennen. Und immer wieder boten sich beeindruckende Ausblicke. An der Cala Napoletana, einer jener vielen kleinen Traumbuchten, machten wir ausgiebig Rast. Mit dem Besuch in einer Bar oder einer Eisdiele in La Maddalena endete dieser Ausflug.

Der Monte Pino (742 m), der Hausberg von Olbia, stand am nächsten Tag auf dem Programm. Auf einem breiten Sandweg führte der Weg gleichmäßig ansteigend hinauf zum Gipfel, von wo aus sich ein herrliches Panorama auf die weite Küstenebene von Olbia und den Golf von Olbia mit den vorgelagerten Inseln bot.

Am Nachmittag besuchten wir Olbia und schlenderten vom Hafen hinauf die Corso Umberto entlang, vorbei an schmucken Bürgerhäusern mit vielen Bars und Restaurants. Einen Höhepunkt bildete der Besuch in der romanischen Kirche San Simplicio aus dem 11. Jh., wo wir unseres verstorbenen und hochgeschätzten Vereinsmitglieds Bernhard Fuhrmann gedachten. Danach gingen wir in das Nekropolenmuseum unter der Kirche, einer Gräberanlage aus dem 2. vorchristlichen Jahrhundert.

Zum Abschluss dieses Tages zeigte uns Marlene in unmittelbarer Nähe von Canningione noch ein Beispiel eines prähistorischen 3500 Jahre alten Nuraghendorfes, das aus einem imposanten zentralen Rundbau aus mörtellos zusammengefügten, unregelmäßigen Natursteinen besteht. Dieser Zentralturm, möglicherweise der Speicher der Dorfgemeinschaft, konnte eine Höhe bis zu 10 m erreichen und ist umgeben von weiteren kleineren Rundbauten, wahrscheinlich die Behausung dieses Bauern - und Hirtenvolkes. Wir waren von der Gewalt dieser Baumasse tief beeindruckt.

Am 4. Tag „Capo Testa" Granit wohin man schaut, in den seltsamsten Formen- Wettraten - was könnte was sein : Schildkröte, Kobra, Bär, Monster, Indianer, ...?

Auch auf dieser Wanderung müssen wir dem Wasser weichen bzw. ausweichen . Aber Marlene weiß immer noch einen anderen „ begehbaren" Pfad. Das Valle de la Luna blieb deswegen leider unerreichbar, doch so war die Tour ein Erlebnis mit wunderschönen Ausblicken über das Meer - Korsika leider nur zu erahnen.

Das Gelato in Santa Teresa war eine schöne Belohnung für alle begeisterten Eisesser und die Heimfahrt zum Hotel gerade richtig für ein kleines Schläfchen.

Die Fahrt zur Isola Rossa durch Korkeichenwälder war faszinierend, kaum vorstellbar, dass sich diese schwarzen, geschälten Stämme wieder regenerieren können.

Grün - weiß - rot, die Farben der italienische Fahne erkennt man in den grünen Wiesen, dem weißen Strand und den roten Granitfelsen. Überall Blumen - bekannte und unbekannte, da kann uns Marlene weiterhelfen. Der spanische Wachtturm ist Ausgangspunkt einer spektakulären Wanderung: erst Sand, dann steil felsig, schmal mit dem Blick über das Panorama der ganzen Nordküste und über das Meer bis zu den Kreidefelsen Korsikas.

Am Zielpunkt dem Punta Cannedi machen wir Pause mit Fernblick. Man kann nur schauen, staunen und sich freuen, dass man das erleben darf. Nach dem Abstieg gibt es wieder Gelato.

Das weiträumige Valle Surrau gehört zu einem Bauernhof. Gemüsegärten, Weinberge und Oliven­haine werden bewirtschaftet. Der alte, verlassene Hof wurde restauriert ,zu einem kleinen regionalen Museum umgestaltet und gibt einen Einblick in das bäuerliche Leben vor etwa 100 Jahren. Der neue Hof ist später das Ziel unserer Einkehr.

Steil bergan führt der Weg durch dichte Macchiawälder an einem „Tafoni" vorbei, einem großen ausgehöhlten Granitblock, der einst als Unterschlupf für einen berüchtigten Banditen diente. Es gibt offenbar überall auf der Welt einen „ Räuber Heigl'1auch in der Gallura. Der Monte Tundu ist ein riesiger „ Granitball" auf einer Seite ausgehöhlt mit bizarren Formen, eine Madonnenstatue steht im Schutz der Höhle. Ein paar Wagemutige klettern auf die Oberseite, von Spitze kann nicht die Rede sein.

Nachdem wir den Rundumblick ausgiebig genossen haben, steigen wir zum Agroturismo Lubranu ab, hier erwarten uns biologisch produzierte Spezialitäten der Region. Es gibt Schinken, Speck, scharfe Salami und Käse als Vorspeise, sehr lecker zusammen mit dem papierdünnen „Pergamena di Pane". Dann einen Brotauflauf, der nur bei den Wenigsten Begeisterung auslöste. Die Tagliatelle danach waren wieder sehr schmackhaft. Zu allen Gerichten gab es einen einheimischen trockenen Rotwein. Einige hatten noch Spanferkel bestellt und waren sehr zufrieden. Zum Abschluss süße Kekse, Kaffee und ein Myrthenschnäpschen, es war ein richtiges Festmahl.

Und in der gemütlichen Atmosphäre des Lubranu wurde allen gedankt, die diese Reise zu einem großartigen Erlebnis gemacht hatten, allen voran Gerd und Renate Schedlbauer, für die tolle Planung und Durchführung, unserer wegekundigen Reise- und Wanderführerin Marlene, die uns mit Erzäh­lungen über Land und Leute Sardinien speziell die Gallura nahebrachte.

Am Abreisetag blieb zwischen Auschecken und Fahrt zum Flughafen noch ein wenig Zeit zum Bummeln, Baden und Fotografieren. Salvatore, unser umsichtiger Busfahrer brachte uns sicher nach Olbia und bekam natürlich auch seinen wohlverdienten Dank.

Nach sechs Tagen mit idealem Wanderwetter bekamen wir noch einen tüchtigen Regenguss ... zu sehen.      Fazit . Rundum gelungen - Danke Gerd und Renate!

Ulrike Kelm und Bärbel Winner

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