Peru – ein Traum ist in Erfüllung gegangen (04.08 -21.08)

Was ist Pisko Sour? Wie unterscheiden sich Alpakas, Lamas, Guanacos und Vicunas? Wie schmeckt gegrilltes Meerschweinchen? Welche Wirkung hat Coca-Tee? Und vor allem: Wie fühlt sich die Luft in über 6000 m Höhe an? Diese und noch viele andere Fragen rund um Peru sowie seine früheren Bewohner, in erster Linie die Inkas, können die 14 Teilnehmer der Reise (neben Thomas R. noch Thomas B., Karl-Heinz, Diana, Sabine, Hannelore, Christine, Markus, Christoph, Gerhard, Franz, Reinhard, Angela, und Beate) in dieses südamerikanische Land jetzt sicher ohne große Probleme beantworten. Thomas Rupprecht hatte den 18-tägigen Abenteuertrip, bestehend aus Kulturprogramm, Höhentrekking und Besteigung eines 6000ers, in Zusammenarbeit mit dem DAV Summit Club ins Programm des DAV Straubing aufgenommen. Doch alles der Reihe nach:

Eintauchen in eine völlig andere Kultur und Akklimatisierung

Ittling (Kletterhalle) – München – Madrid - Lima – Cusco lauteten die Stationen, bis wir in der „Königsstadt der Inkas“ bereits auf 3400 m auf unseren einheimischen Führer Manuel trafen, der uns die nächsten 15 Tage begleiten sollte. Er sprach nicht nur perfekt Deutsch, sondern kümmerte sich auch stets in überaus umsichtiger Weise um unser Wohlergehen. Vor allem erinnerte er uns immer wieder an die wichtigste Tätigkeit, um in diesen Höhen keine Probleme zu bekommen: trinken, trinken, trinken! Der „Begrüßungs-Pisco Sour“ (typischer Cocktail aus Traubenschnaps, Limettensaft, Zucker, geschlagenem Eiweiß) in der Hotelbar zählte dazu jedoch noch nicht! Beim Rundgang durch die wegen seiner zahlreichen Kirchen auch „Rom Lateinamerikas“ genannten Stadt, erfuhren wir während der Besichtigung einiger Gebäude (u.a. Inkatempel Quoricancha, Kloster von Santo Domingo, Kathedrale) wesentliche Details über die religiösen Rituale der Inkas, ihrer Nachfahren oder der spanischen Eroberer.

Auch die nächsten beiden Tage waren einerseits der Besichtigung jahrhundertealter Inkafestungen und landwirtschaftlichen Anbauflächen gewidmet (u.a. Sacsayhuaman, Pisaq, Moray, Hochplateau von Chinchero, Ollantaytambo). Auf Terrassenfeldern in bis zu 45 m tiefen Senken mit ausgeklügeltem Bewässerungssystem gelang es den damaligen Bauern, für den Anbau von Kartoffeln sowie ähnlichen Nutzpflanzen 22 verschiedene Mikroklimata zu erzeugen. Große Bewunderung riefen außerdem die Mauern aus riesigen, tonnenschweren Steinen hervor, die ohne entsprechende heutige Werkzeuge millimetergenau aneinandergefügt worden waren. Im Zusammenhang mit dem heutigen Peru waren u.a. die Informationen zum Salzabbau (wie zur Zeit der Inkas!), zur Verarbeitung der Alpaka-Wolle, der Besuch bei einheimischen Frauen mit typischem peruanischen Essen und ein Bummel über den Indio-Markt von Pisaq höchst interessant. Ein grandioser Blick vom Aussichtspunkt Hoyez in das Urubamba-Tal zeigte uns die Schönheit der Landschaft. Schließlich dienten die bereits ausgedehnten Wanderungen auf Höhen bis zu 3600 m der wichtigen Akklimatisierung und damit der Vorbereitung auf unsere Trekking-Tour.

Trekking durch die Cordillera Urubamba (Lares Trek)

18 Mulis, Pferde und Esel, ein zweiter Führer (Claudio), ein überragender Koch (Luis) und mehrere weitere fleißige Helfer begleiteten uns auf unserem 6tägigen Trekking mit 5 Nächten im Iglu-Zelt-Lager bis in 4350 m Höhe. Es war ein unbeschreibliches Erlebnis! Eukalyptuswälder, exotische Pflanzen inmitten grandioser Berge und Bergseen, Schneefelder, mühsame Aufstiege und steile Abstiege bei der Überquerung mehrerer Pässe zwischen knapp 4000 m und 4700 m Höhe mit reinen Gehzeiten am letzten Tag bis zu fast 8 Stunden, angenehm warme, sonnige Tage und kalte Nächte unter null Grad, Schneefall oder wunderschöner Sternenhimmel, beste Verpflegung (heißer Coca-Tee gleich nach dem Wecken ans Zelt, opulentes täglich wechselndes Frühstück, mehrgängige Menüs zum Mittag- und Abendessen, dazwischen Tea-Time)… Stark beeindruckt zeigten wir uns auch vom kargen, z.T. äußerst mühsamen Leben der dortigen Bewohner. Sie wohnen in für unsere Verhältnisse einfachsten Hütten mit einem einzigen Raum, in dem auch noch die Meerschweinchen als Nahrungsquelle umherlaufen, trocknen auf dem Dach die geschlachteten, zerteilten Lamas, bearbeiten mühsam mit Ochsengespannen oder einfachen Werkzeugen ihre Äcker und verkaufen in den unwirtlichsten großen Höhen auf Decken ausgebreitete Alpaka-Erzeugnisse.

Großes Pech hatte Hannelore leider am vorletzten Tag unserer Tour. Beim Abstieg ins Patacancha-Tal verletzte sie sich am Handgelenk, so dass sie trotz sofortiger fachmännischer „Massage“ einer älteren Peruanerin sowie Sabines weiterer medizinischer Behandlung keinen Trekking-Stock mehr halten konnte. Schweren Herzens musste sie bei unserem letzten Aufstieg auf den Wajratanca-Pass im Lager bleiben (Christine leistete ihr dabei netterweise Gesellschaft!), als wir uns gegen 4:45 Uhr auf den Weg zum 5000er machten. Leider verhinderte der starke Schneefall zwei Nächte vorher den abschließend geplanten Aufstieg auf den Gipfel des Wajratanca (5030 m). Wegen zu großer Lawinengefahr war in knapp 4900 m Höhe Schluss. Nach ca. 1000 Hm Abstieg und insgesamt ca. 75 gelaufenen Kilometern wurde das Trekking mit einem tollen Mittagessen im Freien beendet. Auch erfolgte der Abschied von unserer Crew, die uns während dieser Tage bestens betreut sowie für den perfekten Transport unserer Taschen bzw. Zelte sowie deren Auf- und Abbau gesorgt hatte. Und nicht zuletzt galt es, sich für die hervorragende Verpflegung zu bedanken. Wir waren jeden Tag aufs Neue begeistert, welche mehrgängigen Köstlichkeiten Luis mit seinen Helfern mittags und abends, dazu jeden Tag ein anderes gehaltvolles Frühstück sowie gegen 17: 00 Uhr eine Stärkung zur „Tea-Time“ zauberte.

Beim anschließenden Besuch im Krankenhaus stellte sich Hannelores Verletzung Gott sei Dank nicht als Bruch heraus, die restlichen Tage unserer Reise hielt sie äußerst tapfer mit dem Arm in einer festen Schlinge und Gips durch!

Bustour und weitere Sehenswürdigkeiten

Mit dem Bus zur Bahnlinie (Perutrail), dann mit dem Zug nach Aguas Calientes, einem Dorf am Fuße des Berges Machu Picchu und nochmals mit dem Bus die 8 km Serpentinenstraße kamen wir am nächsten Tag bei strahlendem Sonnenschein (einer Seltenheit im Regenwald!) ins 2430 m hoch gelegene Touristenziel Machu Picchu, einer der wichtigsten religiösen Stätten der Inka. Außerdem befanden sich hier in 216 steinernen Bauten Wohnräume, Handwerks- und Lagerräume. Die Terrassen dienten zur Landwirtschaft sowie als Friedhof. 290 Höhenmeter weiter oben erreicht man den Inti Punku, den letzten Abschnitt des Inka-Trails und einstigen Haupteingang der Stadt.

Auch die Panoramafahrt an den knapp 400 km entfernten Titicacasee über das Altiplano sowie die Fahrt nach Arequipa bis auf eine Höhe von 4335 m bzw. über 4400 m waren mit der Besichtigung weiterer Ausgrabungen aus der Inka- und Vorinkazeit u.a. in Pikillaqta, Raqchi bzw. den Chullpas (=Totentürme) von Sallustani, dazu einem Besuch auf dem Indio-Markt nach einem weiteren hervorragenden typisch peruanischen Essen höchst kurzweilig. Sogar Flamingos und die sehr scheuen Vicunjas zeigten sich in unserer Nähe.

Was macht man am Titicacasee? U.a. ein Bad im See bei ca. 12 Grad Celsius Wassertemperatur nehmen (vier mutige Teilnehmer sprangen tatsächlich ganz ins Wasser, andere begnügten sich mit einem Fußbad!), eine beschauliche Wanderung auf der Insel Taquile mit grandiosen, malerischen Aussichten auf den See, dazu wieder ein typisches peruanisches Essen genießen und eine Fahrt durch die Uros-Schilf-Inseln, die von ca. 2000 Menschen bewohnt werden.

Arequipa und der Nevado Chachani

Die „weiße Stadt“ (woher diese Bezeichnung kommt, ist umstritten: entweder von der helleren Hautfarbe der dort lebenden Menschen oder von den aus weißem Sillar-Gestein erbauten Häusern) ist heute wirtschaftliches, politisches und kulturelles Zentrum des südlichen Peru. Letzteres zeigte auch eine Führung durch das Kloster Santa Catalina oder beim Bummel nach dem Abendessen (dabei konnten einige Mutige von uns endlich „gegrilltes Meerschweinchen“ probieren!) ein Blick in die äußerst beeindruckende Kathedrale über den abendlich sehr belebten Plaza de Armas. Dabei standen – nach einer genauen Instruktion für unsere Bergtour durch unseren „neuen“ Bergführer vor Ort - noch die letzten vorbereitenden Einkäufe (Getränke, Nüsse, Schokolade, Coca-Bonbons…) für die Chachani-Tour am nächsten Tag auf dem Programm!

„Die in Peru weitbekannte Chachani Besteigung gilt als eine der leichtesten Sechstausender Besteigungen. Technisch einfach zu gehen, im Sommer weitgehend ohne Schnee und Eis, aber dennoch eine Besteigung, die Bergfitness, Zähigkeit, Willenskraft und eine gewisse Leidensfähigkeit erfordert. Ein wahrlich atemberaubendes, unvergessliches Erlebnis!“ So lautet ein Erfahrungsbericht über unser Vorhaben im Internet. Der Verfasser dieser Zeilen musste sein Unterfangen allerdings bei ca. 5900 m abbrechen, da der Partner aufgrund der Höhe und Anstrengung mit extremen körperlichen Beschwerden zu kämpfen hatte und alleine wollte er auch nicht weitergehen. Bei uns war die Akklimatisierung aufgrund der sehr überlegt geplanten Reise jedoch perfekt.

Doch wieder der Reihe nach: Nach erneuter „Umpacklerei“ für die eine Zeltübernachtung starteten 11 Teilnehmer unserer Gruppe mit Manuel das „Abenteuer 6000er“ auf den höchsten Berg in der Nähe von Arequipa mit einer dreistündigen Busfahrt, z.T. bereits auf einer ziemlichen Schotterpiste. Auf etwas über 4100 m wurden wir samt unserem Gepäck in zwei Jeeps umgeladen, worauf eine längere „Holperfahrt“ bis zu unserem Base-Camp auf 4900 m folgte, die das wildeste Fahrgeschäft auf dem Gäubodenvolksfest vor Neid hätte erblassen lassen!!! Nach einem stärkenden Mittagessen im neuen Luxuszelt (Stühle mit Lehne, kleiner Heizkörper!) stand laut Manuel eine „kleine Wanderung von ca. 2 Stunden“ auf dem Programm, um uns an die neue Höhe zu gewöhnen. Sie entpuppte sich für einige von uns dann aber als 2 1/2stündige z.T. ziemliche Schinderei über manchmal meterhohe Felsblöcke auf einiges über 5000m Höhe und über viel Schotter wieder hinunter (angeblich wollten unsere 3 neuen Führer damit eigentlich testen, was wir als Gruppe so draufhaben). Als Belohnung durften wir jedoch bei herrlichem Sonnenschein eine atemberaubende Aussicht über das Land genießen. Was folgte, kannten wir bereits vom Trekking: Tea-Time, kurze Rast im Schlafsack, Abendessen, Versorgung mit heißem Wasser für die Nacht (einige von uns benützten die Thermoskannen zusätzlich als Wärmflasche im Schlafsack!), ins „Bett“ kriechen und versuchen, wenigstens einige Stunden zu schlafen, während hier der Wind um das Zelt heulte. Um 2 Uhr morgens starteten wir unser „Abenteuer Chachani“, wobei wir trotz der Kälte mit dem Wetter riesiges Glück hatten. Gegen 6 Uhr erlebten wir einen wunderschönen Sonnenaufgang und auch den Rest des Tages umfing uns stahlblauer Himmel! Gegen 10 Uhr hatten alle von uns den Gipfel erreicht! Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, aus über 6000 m auf die Welt zu blicken, sich in den Armen zu liegen und zu der Leistung zu gratulieren. Die eingangs zitierte Aussage aus dem Internet konnte jeder nun sicher aus eigener Erfahrung bestätigen.

Wie ging es nun weiter? Die restlichen Aktivitäten sind relativ schnell erzählt: ca. 3 Stunden Abstieg mit längeren Rutschpartien über staubigsten Schotter zurück ins Base-Camp, kurzes Mittagessen vor Ort, einpacken, Rückfahrt ins Hotel, Taschen packen, duschen und Haare waschen, mit einer am Tag vorher bestellten Abschiedspizza und einer Flasche Rotwein die Gipfelbesteigung feiern, Abschied von Manuel, Abschiedspisco Sour genießen, Fahrt zum Flughafen in Arequipa, Flug nach Lima, Abschied von Markus, Angela und Reinhard, die auf einem anderen Weg die Heimreise fortführten, 2,5 Stunden im Hotel schlafen, Flug von Lima nach Madrid, dann nach München und mit dem Kleinbus zurück nach Ittling.

Viel zu schnell war die Traumreise vorbei, die von Thomas R. zwei Jahre lang perfekt geplant und organisiert worden war, wofür ihm von allen Teilnehmern ein riesiges Dankeschön gebührt! Nun ist sie Geschichte, doch die Erinnerung bleibt ein Leben lang bestehen!

Beate Freymüller

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