Skitourenkurs auf den K2

Eine Mannschaft aus vier Skitouren Interessierten und Übungsleiter machte sich am Freitag, den 23. Februar gemeinsam ins Pitztal auf. Anfänglich kam es im Raum Kötzting noch zu wohl größeren witterungsbedingten Verzögerungen auf der Straße. Aber als die Mannschaft dann am Pendlerparkplatz Aiterhofen komplett war, gesellte sich das Glück über ganze drei Tage auf unsere Seite. Früh morgens begann es, als wir vom alltäglichen morgendlichen Verkehrsaufkommen im Raum München trotz Routenwahl über den Mittleren Ring nicht beeinträchtigt wurden.

Während unserer Anfahrt kam es zu keinen Verzögerungen. Beim Blick aus dem Fenster stellten wir fest, dass der Wetterbericht Recht behalten hatte und die Vorhersage für den ersten Skitourentag stimmte. Überall Wolken – kein Sonnenstrahl in Sicht. Wie es unser Schicksal an diesem Wochenende aber wollte änderte sich die Wetterlage als wir Richtung Zieladresse, ins Pitztal nach Mandarfen, abbogen. Blauer Himmel, Sonne … so hatten wir es wohl verdient. Die Freude war groß.

Unsere Herberge sollte die auf 2293m gelegene DAV-Herberge Riffelseehütte sein. Den Hüttenzustieg erleichterten wir uns mit Liftunterstützung aus dem vorhandenen Skigebiet Rifflsee. Ein Weißbier oder ein Cappuccino zur Akklimatisation und schon waren wir gerüstet für unsere erste Skitour am Freitagmittag in Mitten der unbeschreiblichen Landschaft aus Riffelsee, dem Blick auf die Braunschweiger Hütte und unzähligen Gipfeln der Ötztaler Alpen. Da war er wieder der Moment an dem man wusste, jetzt bin ich am richtigen Ort.

Unsere erste Tour sollte auf die direkt neben uns liegende Grubenspitze gehen. Kurze Besprechung, großer LVS-Check und los gings durch teils zerfahrene Tiefschneehänge bei Hangneigungen zwischen 20 und 35 Grad. Genau richtig für den ersten Tag zum Herantasten an das Weiß in den Hängen. Den Zeitpunkt an dem eine Verschnaufpause fällig war nutzten wir auch gleich um die Kenntnisse der Lawinenverschüttetensuche aufzufrischen. Eine Einfachverschüttung war angesagt. Jeder Teilnehmer durfte eine Übung durchspielen. Nun war die Routine der aus dem Verschüttetenkurs erworbenen Kenntnisse der LVS-Suche wieder ins Bewusstsein gerufen. Die Sonne verabschiedete sich auf die uns abgewandte westliche Seite unserer gewählten Erhebung. Also suchten wir uns eine Herausforderung welche auch die sportlichen Aspekte hervorheben sollte. Wir beschlossen den Aufstieg in steilem Gelände aufkreuzend zwischen mehreren Lawinenverbauungen. Was sich anfangs noch als harmloses aufkreuzen ankündigte betonte sehr bald die korrekte Anwendung einer ausgeführten Spitzkehre. In 35 Grad abfallendem Tiefschneegelände war die Antwort auf die ursprünglich aufgetauchte Frage nach der Notwendigkeit einer Spitzkehre hinfällig. Die ursprünglich etwas leicht scheinende Grubenspitze gab uns die Möglichkeit viel Technik, Ausdauer und Spuranlage zu üben. Mit diesen Einheiten waren wir gerüstet für die weiteren vielversprechenden Tage in dieser überwältigenden Landschaft. Also gings abwärts zur Riffelseehütte zum Abendessen mit einer anschließenden Theorieeinheit zum Faltblatt „Lawine“. Einzelne Teilnehmer konnten dieser nur noch in horizontaler Körperlage folgen, doch die geistige Anwesenheit war ja stets vorhanden. Vielleicht war auch das Ale-Bier aus dem Weizenglas unserer Schweizer Hüttenkameraden daran schuld.

Der Samstag kam so wie es der Wettergott prophezeit hatte - blauer Himmel und Sonne – wie traumhaft. Ein ganzer Tag steht uns zur Verfügung. Deswegen der Beschluss, wir wagen den Aufstieg zum K2. Der sich im Riffelseegebiet befindende K2 ist geringfügig kleiner als der etwa 5650km entfernte große Bruder dessen. Dies sollte ein unserer derzeitigen physischen Verfassung gerechtes Ziel sein. Der einmalige Tag malte stets ein bezauberndes funkeln , beeindruckende Schattenspiele und glänzende Spuren in die uns umgebende Kulisse. Nach ein paar Stunden haben wir schließlich den mittleren Löcherferner erreicht. Was sich in der Karte als spaltenreiches Gebiet angekündigt hat offenbarte sich uns dank der fünf Meter Schneehöhe als gefahrloser gleichmäßiger Gletscherrücken. Jetzt ist es ja nicht mehr weit. Dieser Schein wollte uns trügen. Eine ganze Weile ging es über die Rampe hinauf bis das Joch am Fuße des K2 schließlich erklommen war. Ein überwältigender Blick in Richtung Westen von der Silvretta über Verwallgruppe bis hin zu den Lechtaler Alpen war der Lohn. Der Gipfelanstieg welcher in den Sommermonaten oft heikel sein soll war zu einer durchaus zu bewältigenden Rampe angeschneit. So haben drei aus unserer Gruppe den Gipfel des K2 bezwungen. Ein auf der Spitze anwesender Bergführer war sogar so vom erreichten Ziel überwältigt, dass er ohne Aufmerksamkeit seiner Kameraden auch beinahe sein Leben bewältigt hatte. Zurück im Joch hieß es Abfellen und Abfahrt durch den noch ausreichend unverspurten Gletscherrücken. Ein einmaliges Gefühl dieser Powder. Kurzfristig stand die Idee im Raum ob wir für eine weitere Abfahrt einen erneuten Aufstieg über das Eis wagen sollten? Doch auch die Lehreinheit benötigte seine Zeit an diesem Tag. So suchten wir uns einen sonnigen Platz und übten die Mehrfachverschüttung. Dank eines LVS-Geräts ohne Markierfunktion wurde auch die Mehrfachverschüttung mit Dreikreismethode durchgeführt. Ein abschließendes Ausschaufeln des Verschütteten Rucksacks erwies sich als anstrengende Aufgabe bei welcher jeder gern mal durch wechselt. Nach Abfahrt in die Herberge konnte ein abendlicher Theorieteil vorgezogen werden. Der Hüttenwirt war uns wohlgesonnen und leistete uns Gesellschaft bis es auch das beste Sitzfleisch nach Mitternacht in die Betten zog.

Der Wetterbericht vom Sonntag erklärte uns dass wir stets ein paarhundert Meter aufzusteigen haben um die Sonnenstrahlen einfangen zu können. Dies ließen wir uns nicht zwei Mal sagen. Unser Weg führte in Richtung Wurmtaler Kopf. Wie es bereits prophezeit war wurden wir bei ca. 2800 Höhenmetern fündig. Ein Rutschblock sollte uns noch die Beschaffenheit der einzelnen Schichten in der Schneedecke unter uns erklären. Beim Belastungstest bei welchem die Störanfälligkeit getestet wurde machte jeder der Gruppe große Augen. Der Lawinenlagebericht bewahrheitete sich. 30Grad Hang, Lawinenwarnstufe 3, ungünstige Exposition und große Zusatzbelastung – und weg war er der Rutschblock. Diese letzte Lehreinheit bleibt beding durch seine deutliche Ausprägung bestimmt noch eine gewisse Zeit im Bewusstsein der einzelnen Teilnehmer. Eine ursprünglich nicht in der Decke zu erkennende Eisschicht hat den Block mit einer Mächtigkeit von etwa 50 Zentimetern weggleiten lassen. Nach Abschluss dieser Übung fuhren wir hinab in die Riffelseehütte, schnallten unseren zweiten Rucksack auf und fuhren ab ins Tal zur Liftstation wo unser PKW auf uns wartete.

Die Fahrt zurück in unsere Heimat gestaltete sich ebenso reibungslos wie die Hinfahrt. Sobald wir die Grenze in unser geliebtes Bayern überschritten hatten suchten wir ein Lokal um auf unser beeindruckendes Wochenende mit bayerischem Bier und deftigem Nicht-Hütten-Essen anzustoßen. Ein großer Dank gebührt unserem Fahrer für die Bereitstellung seines PKW – so konnten wir uns durch die größere Kapazität dessen auf ein bis unters Dach beladenes Auto beschränken und gemäß dem Leitbild des DAV unseren Teil zum Klimaschutz beitragen.

Peter Haberl

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