Wilder Kaiser 31.07. – 01.08.2017

Wilder Kaiser. Was wir sehen beginnt schon wild. Gerade haben wir uns auf den Weg gemacht. Von der Wochenbrunner Alm, vorbei an der Gaudeamus Hütte, zur Gruttenhütte. Wir haben den Weg über das sogenannte Klamml gewählt. Wild ist hier die Felsenlandschaft. Wir unterqueren den Klamml-Klettersteig und klettern oben selber mit Unterstützung von Drahtseilen und Tritthilfen aus dem Klamml hinaus.

Wir, das sind natürlich wieder die DAVler von der Sektion Straubing unter der Führung vom Alfred Blohberger. Heiß ist es schon am Vormittag. An der Gruttenhütte füllen wir nochmal unsere Trinkvorräte nach. Wir steigen auf zum Kopftörl. Vorher geht es aber noch mühsam das Hochgrubachkar hinauf. Südseite! Heute besonders heiß! Kletternd steigen wir aus dem Kar heraus. Drahtseile helfen uns über die schwierigen und ausgesetzten Stellen hinweg. Doch bevor wir das Kopftörl erreichen, müssen wir und noch durch eine Steilwand und der Kaindl-Stewart-Nadel hindurch zwängen.

Am Kopftörl, erst einmal Pause. Jetzt wird es richtig wild. Drahtseilgesichert steigen wir die andere Seite in den Hohen Winkel ab. Das Kar ist von bizarren Felstürmen umrahmt. Der wilde Kaiser macht hier seinem Namen alle Ehre. Endlich, den Karboden erreicht. Hier gibt es nochmal Wasser für unsere Flaschen. Für die Trinkflaschen natürlich. Endlos zieht sich die Querung hinüber zum Stripsenjochhaus. Wir verlieren viel an Höhenmeter, die wir hernach wieder aufsteigen müssen. Im Wald stellt sich uns nochmal eine Felsbarriere in den Weg. Mit Hilfe einer Leiter, überwinden wir auch diese.

Stripsenjochhaus erreicht. Als erstes bezahlen wir unser reserviertes Lager und gleich das Frühstück für den nächsten Tag. Der freundliche Hüttenwirt hinter der Rezeption teilt uns die Lagerplätze zu und nachdem wir unsere Schuhe ausgezogen haben, steigen wir hoch ins Lager. Größer als ich gedacht habe. Wir schlafen gleich bei der Tür, dem Notausgang. Der Platz verspricht Frischluft für die Nacht. 

Einige wollen gleich nochmal auf Tour. Hinter dem Haus gibt es einen Dreisektionen-Klettersteig. Für jeden etwas. Da wollen sie hin und ich muss mit. Aufstieg wieder Südseite. Wieder in der Sonne. Erscheint endlos lang. Dann der Einstieg. Vorschriftsmäßig legen wir das Klettersteigset an. Alfred gibt eine kurze Einweisung. Rein privat versteht sich. Schon hängen wir am Drahtseil. Das sind schon gute C-Stellen. Es erfordert Kraft sich an manchen Stellen hoch zu ziehen. Die erste Sektion ist geschafft. Renate hat das zum ersten mal gemacht und ist ganz stolz. Eine weitere Sektion klettern wir nicht mehr. Hunger! Zurück zur Hütte. Riesenschnitzel mit Pommes verspeist. 

Auf der Terrasse wird es merklich kühler, zumal wir nur T-Shirt und kurze Hosen anhaben. Wir verziehen uns ins Innere der Hütte. Lange sitzen wir auch hier nicht mehr. Alle sind müde und wollen ins Bett. Der Platz an der Tür hat einen Haken, bzw. die Tür hat keinen. In der Nacht kommt Sturm auf und der macht mit der Tür heftig Krach. Tür zu! Jetzt wird es warm. Alfred schnarcht. Tür auf. Die Klemme hält nicht, die Tür scheppert und ich hab meine Ohropax vergessen. Der andere Sepp, der technisch Begabte, klemmt einfach eine Decke in die Tür. Endlich Ruhe. Danke Sepp! 

Der nächste Tag. Es ist schon am Morgen angenehm warm, so dass wir auf der Terrasse frühstücken. Um 8:30 h sind wir wieder startklar. Es geht erst einmal abwärts und dann wieder hinauf. Am Beginn des Eggersteigs binden wir uns in das Klettersteigset ein. Alfred kontrolliert jeden. Der Helm wird auch aufgesetzt. Es ist alles nötig, denn ab jetzt wird es ausgesetzt und steinschlaggefährlich. Der Steig bringt uns hinüber zur „Steinernen Rinne“. Auch sie ist drahtseilgesichert und führt hinauf zum Elmauer Tor. 

Noch eindrucksvoller und wilder als gestern zeigt sich hier der Kaiser. Die steile Rinne zieht zwischen den scheinbar glatten Wänden des Predigtstuhls und vor allem der Fleischbank hinauf. Himmelhohe Flanken in denen wir Kletterer ausmachen. Wir haben höchsten Respekt und möchten nicht unbedingt tauschen. 

Der heutige Anstieg verlief bisher recht angenehm im Schatten und hier im Elmauer Tor weht eine angenehme Brise. Erstmal Brotzeit. Jetzt wird es aber mal Zeit, selber auch einen Gipfel zu besteigen. Die Hintere Goinger Halt bietet sich an. Ein mit Fels und Schrofen durchsetzter Weg führt spannend zum Gipfel. Eine herrliche Aussicht in den Kessel des Ostkaisers, auf die umliegenden Gipfel, bis hinein zum Alpenhauptkamm ist unsere Belohnung. Den gleichen Weg gehen wir zurück zum Elmauer Tor. Nun steht uns der Abstieg ins Kübelkar bevor. Südseite! Heiß, staubig, trocken. 

Bei einer Abzweigung gehen wir am Jubiläumssteig weiter. Der präsentiert sich als stellenweise ausgesetzter Felsenweg, der gut mit Drahtseilen versichert ist. Auch hier zeigt sich der Kaiser wieder in seiner Wildheit. Das „Wilde G´schoß“ mit seinen Schluchten, Rinnen, bizarre Felsgebilden wie Wächter und Zwergenkönig, Steilstufen und Bändern - alles ist hier geboten. Nach einem brösligen Aufstieg im Muschelkalk erreichen wir die Gruttenhütte. Die Zunge klebt am Gaumen. Eine kurze Einkehr schafft Abhilfe. 

Über den bereits bekannten Weg über das Klamml gehen wir zur Gaudeamushütte und von dort zum Parkplatz auf der Wochenbrunner Alm. Schon wieder ist der Durst groß, aber der Hunger noch größer. Gegen beides gibt es hier etwas Gutes. Wir baden unsere heißen Füße noch schnell im Wassertretbecken und fahren dann nach Hause. 

Bei München erwischt es uns. Eine Gewitterfront mit heftigem Regen. Sechzig auf der Autobahn, schneller geht es nicht. Die Lastwagen sind schneller. Erst bei Dingolfing lässt der Regen nach und hier in Straubing sind wieder einmal nur ein paar Tropfen gefallen. Aber vielleicht hat die „wilde Heimfahrt“ ja auch zur „Wilden Kaiser Tour“ gepasst. 

Text: Sepp Zwinger, Bilder: Alfred Blohberger

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