Alpiner Grundkurs - Vom Wanderer zum Bergsteiger EIS

Tag 1: Aufstieg zur Hütte

Es war ein kalter Dezembertag, als die E-Mail eintrudelte. Eine Zusage für den Hochtourenkurs beim DAV Straubing! Die Freude war umso riesiger, als wir, eine altersgemischte Vierergruppe aus verschiedenen DAV-Sektionen, in aller Herrgottsfrühe (5:00 Uhr) in Aiterhofen Ende August endlich Richtung Großglocknergruppe starteten. Über die mautpflichtige Großglocknerstraße Hochalpenstraße ging es mit dem Auto nach 36 Kehren und 48 km Gebirgsstraße steil hinauf zur Kaiser-Franz-Josefs-Höhe (2.369 m). Nicht nur Kaiser Franz Josef brachte die imposante Gebirgslandschaft und der Blick auf den Großglockner (3.789 m) ins Staunen! Ein Wehmutstropfen stellte allerdings die Pasterze (größte Gletscherzunge Österreichs) dar, die leicht mit einer Seenlandschaft verwechselt werden konnte. Am kostenfreien Parkhaus musste die kurze Hose (Stefan) ob der frischen Temperaturen noch gegen eine lange gewechselt sowie die Seile verteilt werden (nicht nur an die Männer!), dann machten wir uns schließlich über den Gamsgrubenweg, der hoch über der Pasterze durch mehrere Tunnel hindurchführte, auf dem Weg zur Oberwalderhütte (2.973 m), die für die Dauer des Kurses unser Quartier sein sollte. Vorbei an grasenden Murmeltieren und mit bestem Blick zur Linken auf den Großglockner erreichten wir nach Überquerung des Gletscherbachs einen aperen Gletscher. Ab hier hieß es Steigeisen und Pickel anlegen und Helm aufsetzen. Die schweren Rucksäcke legten wir ab, während unserer Fachübungsleiter (Jupp) uns am Gletscher die elementare Steigeisentechnik zeigte. Die Mini-„Spalten“ waren dafür prädestiniert. So konnten wir diese zu Übungszwecken unbesorgt absteigen und/oder durch Einsatz der Frontalzacken wieder aufsteigen, ohne dabei gleich Rettungsaktionen auszulösen. Bei dieser Gelegenheit wurde auch gleich die richtige Handhabung des Pickels und das Einbinden am Gletscher besprochen und ausprobiert. Schließlich durfte auch jeder seine Eisschraube versenken, die selbst im porösen Eis bombenfest saß.

Sodann querten wir als Seilschaft unseren ersten Gletscher, bevor wir über einen seilversicherten Steig die Oberwalderhütte erreichten, welche majestätisch auf der Felskuppe des großen Burgstalles thronte. Nachdem wir unser Sechser-Lager (2 Kursteilnehmer mussten leider kurzfristig absagen) bezogen, ging es noch raus zur Ausrüstungskunde. Außerdem durften wir das erste Mal die Lose Rolle (Spaltenrettungsmethode) durchspielen. Mit einem guten Abendbuffet (am ersten Abend vegetarisch) und der anschließend sehr informativen Kartenkunde ließen wir unseren ersten, sehr gelungenen Ausbildungstag schließlich ausklingen.

Tag 2: Mittlerer Bärenkopf 3.358 m

Nach dem tollen Auftakt trafen wir uns am zweiten Tag – nach dem Frühstücksbuffet – pünktlich um 7:30 Uhr draußen vor der Hütte. Dieses Mal aber besser eingecremt. Der Sonnenbrand vom Vortag machte sich im Gesicht des ein oder anderen (Stefan) bereits bemerkbar. Das Wetter wollte an diesem Tag allerdings nicht recht mitspielen. Entgegen der Wettervorhersarge war es – anders als am überraschend hübschen ersten Tag – arg windig und die Sicht sehr schlecht. Wir begaben uns trotzdem auf dem Weg zum oberhalb der Hütte gelegenen Gletscher, wo wir erneut die Lose Rolle durchspielten. Nach dem ersten Durchgang machten wir uns angesichts der äußerst ungemütlichen Wetterverhältnisse aber rasch wieder auf dem Weg zurück zur Hütte. Die Sicht war mittlerweile derart schlecht geworden, dass die Oberwalderhütte nicht mehr erkennbar war. Verloren gegangen ist uns trotzdem aber keiner!

Vom Wetter unbeirrt, übten wir in der warmen Stube weiter fleißig unsere Lose Rolle, damit jeder jede Position mindestens einmal durchspielen konnte. Schon wenig später wurden wir mit besserem Wetter belohnt und machten uns auf zu unserer Übungstour. Zwar war die am Vorabend sorgfältig mit der Karte geplante und besprochene Tour zeitlich nicht mehr drin, wegen der ausgezeichneten Hüttenlage sollte es mit dem Mittleren Bärenkopf (3.358 m) aber dennoch noch ein recht stattlicher Gipfel werden. Dieses Mal war Peter dran mit dem Tragen des Seils, was sein sehr flottes Tempo im Vergleich zum Vortag zumindest ein wenig minderte. Als wir den Gletscher erreichten, legten wir unsere Steigeisen an und banden uns ans Seil. In der 4er-Seilschaft ging es sodann im recht nassen Schnee flott nach oben. Je weiter wir kamen, desto schlechter wurden die Sichtverhältnisse. Unseren ersten Gipfel sollten wir aber dennoch erreichen und beglückwünschten uns mit einem herzlichen „Berg Heil!“. Wir beschlossen einstimmig auf die ungemütliche Pause am Gipfel zu verzichten und diese lieber unten an der Hütte nachzuholen. Der Abstieg folgte wie auf dem Aufstieg – nachdem wir ob der schlechten Sichtverhältnisse kurz vom Weg abkamen, was uns aber rasch auffiel. Nach der wohlverdienten Pause stand die Selbstrettung aus der Spalte auf der Tagesordnung. Die Übung hatte Jupp für das erste Mal noch am Hüttengeländer aufgebaut. Nachdem jeder die Schritte verinnerlichte und selbst ausprobieren durfte, schauten wir uns bei der Gelegenheit auch noch den Selbstflaschenzug an, eine Technik, die oben am Spaltenrand bei eingeschnittenem Seil ihre Vorteile ausspielt. Nach dem abermals sehr guten Abendessen und der Besprechung alpiner Gefahren stand Jupp sodann - wie immer - für unsere zahlreichen Fragen zur Verfügung. Danach ging es schließlich wohlverdient ins Bett.

Tag 3: Vorderer Bärenkopf 3.249 m

Am dritten Tag hatten wir uns den schneebedeckten Johannisberg vorgenommen. Entgegen der Wettervorhersarge reichte aber auch der dritte Tag zu Beginn nicht an unseren ersten Tourentag heran. Die Sicht war wie am Vortag schlecht. Wir machten uns dennoch Richtung Gletscher auf und wollten dort zumindest einige zusätzliche Gehtechniken mit den Steigeisen erlernen, welche uns vor allem im steileren Gelände nützlich sein sollten. Das Wetter besserte sich unterdessen sukzessive, sodass wir nach unseren Übungen entschieden, weiterzugehen. Das erste Mal taten sich unterwegs dann sogar größere, „Autos verschlingende“ Gletscherspalten auf, die wir begeistert fotografierten. Wir gingen um die Spalten herum oder nutzen einige spannende (Jupp) Schneebrücken. Der ein oder andere Sprung über eine Spalte blieb uns aber nicht erspart. Der Schnee war fester als am Vortag, sodass wir rasch den Vorderen Bärenkopf (3.249 m) erreichten, unseren zweiten Gipfel. Zwar wäre der Johannisberg wegen der Wetterbesserung jetzt möglich gewesen, wir hätten wegen der vorangeschrittenen Zeit dann aber unsere weiteren Ausbildungsinhalte nicht mehr geschafft, weswegen wir davon Abstand nahmen. Wir entschieden uns aber noch aufzusteigen Richtung Mittlerer Bärenkopf und dann über den Weg vom Vortag abzusteigen. Das hatte zugleich den Vorteil, dass wir kennenlernten, wie sich eine etwa 30-Grad Steigung mit Steigeisen anfühlte. Außerdem konnten wir oben den phänomenalen Ausblick nachholen, den wir am Vortag wegen der schlechten Sichtverhältnisse verpassten. Schließlich durfte Stefan die Gruppe oben angekommen sicher nach unten führen.

Zurück bei der Hütte verfestigten wir – nach einer ausgiebigen Pause - am Klettergarten unsere „skills“ bei der Selbstrettung aus der Spalte. Dazu wurde jeder von Jupp den „Abhang“ hinuntergelassen (mit zusätzlicher Sicherung) und durfte sich erfolgreich selbst retten. Auf das Abseilen/Standplatz-bauen brauchten wir dagegen nicht mehr gesondert eingehen, da dies jeder in der Gruppe als (auch) Kletterer bereits beherrschte. Wieder vollständig, übten wir sodann noch einmal die Lose Rolle, dieses Mal aber zusätzlich noch mit einer Seilklemme, die den Bau der Rücklaufsperre überflüssig machte. Der sich anschließende Hüttenabend mit dem abermals sehr guten Abendessen rundeten auch unseren dritten Tourentag wunderbar ab.  

Tag 4: Fuscher-Kar-Kopf 3.331 m

Für unseren letzten Tag planten wir eine Abschlusstour auf den Fuscher-Kar-Kopf. Von der sehr netten Hüttenwirtin auch nur als „FKK“ bezeichnet. Statt den Nordwestgrat aufzusteigen, entschieden wir uns wegen der schweren Rucksäcke und der noch ausbaufähigen Erfahrung (Stefan und Melanie) dazu, über den einfacheren Südwestgrat aufzusteigen. Um einen Stau am Frühstücksbuffet wegen der zahlreichen am Vortag angekommenen Soldaten zu vermeiden, wollten wir dieses Mal um 7:00 Uhr aufbrechen. Das gelang mit wenig Verzögerung (Stefan) – aber ohne bösen Kommentar der Wartenden -. Unser Plan war ein schnelles „Rauf und Runter“, damit wir noch zu einer vernünftigen Zeit zu Hause ankommen konnten. Gesagt getan, ging es sehr flott über den versicherten Steig nach unten zum Gletscher, den wir dieses Mal einvernehmlich ohne Steigeisen, aber mit Pickel querten. Auch der erforderliche Sprung über eine Spalte gelang jedem. Oberhalb des Schilds zum „FKK“ nahmen wir schließlich die Rucksäcke ab und lagerten sie neben einem Murmeltierbau, bevor es dann recht steil und sportlich nach oben ging (die angegebenen 2 h 45 min für den Aufstieg hatten wir jedenfalls unterschritten). Auf den Weg nach oben endeckten wir dann sogar noch ein Edelweiß! Auch im Übrigen lohnte sich der Aufstieg definitiv. Zwar waren die Sichtverhältnisse oben angekommen nicht einwandfrei, der sich ausbreitende Nebel vermochte aber für eine besondere Stimmung zu sorgen. Nach einem Gipfelfoto ging es sodann wieder rasch nach unten und über den Gamsgrubenweg zurück zum Auto.

Fazit:

Vier volle Ausbildungstage, drei Gipfel über 3.000 m, ein überaus nettes Kleingrüppchen sowie eine erstklassige Hütte! Was will man mehr? Ob das entdeckte Edelweiß, immerhin die Alpenblume schlechthin, letztlich mein persönliches i-Tüpfelchen war, sei offengelassen. Die Konkurrenz mit vielem anderem Positiven ist jedenfalls hoch. An dieser Stelle jedenfalls noch einmal einen großen Dank an Jupp für die lehrreichen vier Tage, die vielen beantworteten Fragen und fürs mehrmalige Ausprobieren dürfen der verschiedenen Übungen! Die letzte (Hoch-)tour (beim DAV Straubing) war es sicher nicht!

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