Bergtouren rund um den Vilsalpsee (10. - 12.07.2015)

Zu sechst fuhren wir, vom DAV Straubing, nach Tannheim in Österreich. Genauer in den österreichischen Teil der Allgäuer Alpen. Wir wollten eine Tour rund um den Vilsalpsee machen. Das hört sich recht gemütlich an, hat es aber in sich.

Zunächst stiegen wir direkt von Tannheim zur unteren Roßalpe auf. Diese liegt in einem Kessel, der keinen Weiterweg erkennen lässt. Doch durch einen Einschnitt ging es aufwärts zur oberen Roßalpe. Dort schaute unser heutiger Gipfel hervor. Direkt, als wenn er aus der Wiese gewachsen wäre, ragte er einschüchternd in die Höhe. Der Weg führte rechts um den Berg herum in ein großes Schuttkar an dessen unterem Ende das Älpele liegt. Das Kar wurde auf halber Höhe gequert. Der Weg führte zu einer Felsrippe, auf der es steil aufwärts ging. Wir mussten sogar noch ein Schneefeld überqueren. In der darauffolgenden Felsflanke ging es zügig aufwärts, so dass wir bald in einer Scharte standen. Nun war es nicht mehr weit zum Gipfel des Geishorns mit 2247 m. Wir genossen die Aussicht und spekulierten schon über den Wegverlauf des nächsten Tages.

Doch erst mussten wir hinunter zur Willersalpe, unserem Nächtigungsziel. Der Abstieg ging über einen steilen und ausgesetzten Felsgrat, der mit etlichen Drahtseilen entschärft war. Anschließend ging es weglos über Wiesen hinunter zur Feldalpe. Von dort in vielen Serpentinen weiter hinunter zur Willersalpe. Einige Leute saßen draußen an den Tischen. Auf einem Schild stand, dass hier Selbstbedienung sei und der Ausschank in der Stube oben ist. Durstig stürmten wir hinauf. Da stand ein weiteres Schild. „Wir sind gerade beim Essen, bitte habt etwas Geduld“. Na sowas! Doch nach kurzer Zeit ging die Türe auf und ein bärtiger Allgäuer lugte hervor. Er gab uns zunächst was zu trinken und der jüngere Bruder zeigte uns das Lager. Es war alles sehr einfach, aber weitgehend sauber. Das Lager ist ein einfacher Bretterboden, durch dessen Spalten man in den Kuhstall darunter blicken konnte. So riecht es halt mal auf einer alten Alm. Zum Essen gab es an diesem Tag Spaghetti mit Käsesoße, die wir uns bestellten. Es schmeckte uns allen sehr gut, draußen vor der Hütte. Nach kurzer Zeit schrie der Wirt vom Fenster herunter: „Es sind noch Spaghetti da“! Wir konnten aber nicht mehr.

Am Abend saßen wir dann in der gemütlichen Stube beisammen. Die Hütte war rappel voll. Es hatten sich auch noch Musikanten (echte Wirtshausmusikanten, keine Jodler) dazugesellt. Die spielten mit Gitarre und Quetsche zünftig auf (Mir san fidei, fidei, fidei mi lec.....). Da kam Stimmung auf. Licht gab es keines, nur Kerzen. Ein wirklich zufälliges und außerordentlich schönes Ereignis. Allerdings verzogen wir uns dann doch gegen halb elf Uhr, weil wir schon einen langen Tag hinter uns hatten und am nächsten Tag wieder eine große Tour vor uns lag.

Am nächsten Tag gab es zum Frühstück den Käse aus der eigenen Käserei. Wirklich sehr gut. So gestärkt brachen wir dann auf und marschierten am Jubiläumsweg hinauf ins Geißeckjoch. Ein heftiger Wind pfiff uns in der Scharte zwischen Gaishorn und Rauhorn um die Ohren. Der Himmel war hatte etwas zugezogen und wir waren wegen dem Wetter etwas besorgt. Wir wussten, dass vor uns ein mit Drahtseilen versicherter Steig lag, der bei Nässe eventuell unangenehm sein könnte. Im Windschatten legten wir eine kleine Brotzeit ein. Bald stiegen wir über Felsen zu einem kleinen Schartel hinauf, wo es auf der anderen Seite ziemlich ausgesetzt hinüber ging. Aus einem kleinen Kessel sahen wir den weiteren Weg, weil dort schon andere Bergsteiger zu Gange waren. Es ging über einen drahtseilversicherten Kamin steil hinauf. Mit leichter Kletterei erreichten wir bald den Gipfel des Rauhorns, 2241 m. Lange hielt es uns dort nicht. Es war ziemlich windig und das Wetter konnte man auch nicht so richtig einschätzen. Der Abstieg verlief über einen felsigen Grat, an dem man mal links, mal rechts, hinunter kletterte. Drahtseile gab es hier keine, trotzdem waren ein paar ausgesetzte Stellen zu meistern. Alle Teilnehmer kamen sicher unten in einem Wiesensattel an. Von da aus war der Weg nicht mehr schwierig, jedoch noch lang. Vorbei ging es unter dem Kugelhorn am Schrecksee in den Kirchdachsattel. Dort folgten wir einem Teil des Saalfelder Höhenwegs, bis wir das Kastenjoch erreichten. Dort trennten sich zunächst unsere Wege. 3 Teilnehmer beschlossen noch, auf die Rote Spitze mit 2130 m zu gehen. Die anderen 3 stiegen schon mal ab zur Landsberger Hütte.

Dort trafen wir uns alle wieder. Welch ein Kontrast zur Willersalpe. Auf Grund der nahen Seilbahn traf man hier so manches „Bergsteigervolk“, das herübergekommen war, um mal einen zünftigen Hüttenabend zu erleben. Entsprechend laut war es in dem großen Gastraum. Das Essen war aber gut. Den schöneren Hüttenabend aber hatten wir am Tag zuvor. Also verzogen wir uns bald in das volle Lager.

Für unseren dritten Tag stand keine große Unternehmung mehr auf dem Programm, aber ein paar Gipfel sollten schon noch „mitgehen“. Unser Weg ging zwischen Lache und Lachenspitze hindurch, der Sonne entgegen. Es ging auf steilen Wegen immer über Wiesenhänge empor bis zu einem kleinen Sattel. Von dort sahen wir unser nächstes Ziel, die Schochenspitze. In einer sehr steilen Wiesenflanke ging es hinauf zum schmalen Gipfel, 2069 m. Kurz nach dem Abstieg vom Gipfel, querten wir die Gappenfeldscharte hinunter zu einem breiten Fahrweg. Ein Wegweiser deutete zum nächsten Gipfel. Kurz entschlossen stiegen wir auch hier hinauf. Unschwierig bestiegen wir die Sulzspitze 2084 m. Auf dem breiten Buckel gönnten wir uns nochmals eine ausgiebige Rast mit einer tollen Aussicht.

Aber alles hat ein Ende, so auch unsere Rast. Auf guten Wegen ging es weiter Richtung Usseralpe. An einer Abzweigung konnten wir uns nun entscheiden, ob wir über die Alpe ganz absteigen wollten, oder doch hinüber zum Neunerköpfle gehen sollten. Am Neunerköpfle war die Bergstation der Seilbahn. Unter dem Aspekt, dass einige doch schon mit Knieproblemen zu kämpfen haben, entscheiden wir uns für die Seilbahn. Schnell ist man dann wieder im Tal, zurück in der zivilisierten Welt. Was auch seine Vorteile hat. Einer davon sind die Gasthäuser. In einem davon kehrten wir noch ein und rundeten so unsere wunderbare Dreitagestour ab.

Sepp Zwinger

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