Hochseiler über Teufelslöcher mit anschließender Umrundung

19.09.2021

Im August 2017 hatte ich schon mal eine Führungstour zum Hochseiler ausgeschrieben. Damals kam mir allerdings der Ironman Zell am See in die Quere. Denn die Radstrecke und die damit verbundene Straßensperrung ließen mich mit den damaligen Teilnehmern nicht bis zum Ausgangspunkt der Tour nach Hinterthal kommen.

Ich musste mir damals ein Alternativziel aussuchen und fand mit den Klettersteigen Nackerter Hund und Wilder Hund, sowie der Breithorn Besteigung von der Schmidt-Zabierow Hütte einen würdigen Ersatz. Dieses Jahr wollte ich das damals versäumte nachholen. Mit 5 Teilnehmer reiste ich nach Hinterthal ins Pinzgau und startete dort das Projekt Hochseiler Überschreitung via Teufelslöcher und Mooshammersteig.

Von der Dorfmitte gingen wir erst auf einer Teerstraße, später dann auf einem Forstweg leicht ansteigend in Richtung Schneekar. Hier konnte man die Teufelslöcher, unser Zwischenziel, wenn man genau schaut, schon sehen. Ein, zwei markierte Abschneider ließen uns die Strecke ein wenig abwechslungsreicher erscheinen. Mehrere gut sichtbare Wegweiser und ein Trampelpfad leiten uns mal neben, mal mittendrin in einer Schuttreise ziemlich steil zur Bertgen Hütte 1846m, einer urigen Selbstversorgerhütte. Hier machen wir das erste Mal Pause. Die Aussicht ist hier schon gewaltig. Der Großvenediger grüßt zu uns herüber und unten im Tal ist dicker Nebel. So macht Herbst-Bergsteigen Spaß. Ab der Bertgen Hütte wird das Gelände spürbar rauer und alpiner. Im Schneekar angekommen, setzen wir den Helm auf, denn in den steilen Wände über uns rumpelte es immer wieder. Wir mühen uns über Schotter und mit Geröll beladenen, glatten Platten die steile Wege in einem Linksbogen zu einer ersten Rinne. Hier wird erstmals unsere Kletterfähigkeit geprüft. Über griffigen, meist festen Fels kommen wir schnell höher. Die angebrachten, teilweise sehr altertümlich aussehenden Seile und Versicherungen helfen uns zu einem großartigen Aussichtspunkt auf einer Scharte.

Hier sammeln wir uns, denn die nächsten 100 Höhenmeter werden steil in einer fast senkrechten kaminartigen Rinne erstiegen. Anschließend neigt sich das Gelände spürbar und wir können die südseitige Aussicht auf die hohen Tauern immer öfter genießend. Aber die zunehmende Höhe lässt einigen Teilnehmern ein bisschen mehr schnaufen als sonst. Mit dieser Aussicht wartet man aber gerne, weil ja auch das Wetter noch keine Anstalten macht, wie vorhergesagt, sich zum Schlechteren zu verändern. Über Geröll bedeckte Platten und Rinnen, immer den leichtersten Weg folgend, erreichen wir kurze Zeit später die letzten Schwierigkeiten vor den Teufelslöchern. Über eine Kletterstelle, die ohne die Versicherung, locker den unteren dritten Grad nach UIAA erreichen würde, steigen wir auf ein kleines Podest, wo wir einen wunderbaren Blick auf die fast greifbaren Teufelslöcher über uns haben.

Hier gehen wir in einem Bogen von links nach rechts, unter dem linken durch das rechte Teufelsloch und können oben angekommen, das erste Mal, die nicht mehr vorhandene Übergossene Alm mit dem Matras Haus ganz hinten sehen. Die Klimaerwärmung hat hier ganze Arbeit geleistet. Nur noch kleine Eis und Schneereste liegen in den Mulden der Hochfläche und lassen mich ein wenig nachdenklich mit dem 15 Jahre alten Bild in meinen Kopf, wo noch wesentlich mehr Eis hier war, sinnieren.

Als alle aus der Gruppe den wunderbaren Aussichtsplatz erreichen, sammeln wir uns und machen uns kurze Zeit später nach Norden, weiter Richtung Hochseiler auf. Schon nach der der nächsten Kurve steht er in voller Pracht vor uns. Ein gewaltiger Klotz, wo uns jetzt dann beim Gipfelaufstieg, auf den letzten Metern die Schlüsselstellen der Tour erwarten. Wir queren auf Gletscherschliffplatten richtig anspruchsvoll Richtung der letzten Eisflanke am nordwestlichsten Teil der Übergossenen Alm, direkt unter dem Einstieg zur Gipfelwand der Hochseilers.

Auf Bildern, die am Wochenanfang aufgenommen worden waren, habe ich gesehen, das der Übergang zum Wandfuß problemlos machbar ist. Es war eine gute Schneeauflage und eine Spur zu sehen und deshalb machte ich mir auch keinerlei Sorgen den Gipfel mit der Gruppe nicht zu erreichen. Aber wie öfter im Leben, freuten wir uns zu früh.

An der Gletscherflanke angekommen, staunten wir nicht schlecht. Es war kein Schnee mehr da und die gute Spur war nur noch schwach zu erkennen. Nur noch harter, eisiger Firn. Ein bisschen ratlos stehen wir vor dem blanken Gletscherrest. Wir überlegen hin und her. Spielen die uns bleibenden Möglichkeiten durch. So nahe ist der Einstieg zur Gipfelwand, vielleicht 50 Meter und doch fern und unerreichbar.

Wir beschlossen erst mal Pause in der Sonne zu machen und gehen ein paar Meter auf ein sicheres Plateau zurück. Hier machen wir es uns erst mal gemütlich. Anschließend entscheiden wir, das der Gipfel für uns heute ohne Steigeisen keine Option ist. Wir wollen stattdessen auf dem Herzogsteig den Hochseiler umrunden, um auf der Nordseite des Berges auf die Niedere Torscharte und anschließend wieder ins richtige Tal zu kommen.

Ein wenig nachdenklich und sichtlich enttäuscht steigen wir den guten und zahlreichen Markierungen folgend nach Osten ab. Über Gletscherschliffplatten, Gumpen, Rinnen, gewaltigen Löchern und viel Geröll, insgesamt über schwieriges Gehgelände erreichen wir den Nordöstlichen Ausläufer des Hochseilers. War der östliche Teil des Herzogsteigs noch mehr oder weniger Gehgelände, zeigt uns der Abstieg nach Norden beziehungsweise Westen von Beginn an seine Zähne. Über Seilversicherungen, Leitern und Haltebügel geht es steil auf geröllbelegten Bändern nach unten. Ein Band folgt dem nächsten. Ein falscher Schritt wäre hier fatal. Sicherlich ist dieser Teil des Herzogsteig das obere Ende des Bergwanderns.

Als wir dann eine knappe Stunde später die grasige niedere Torscharte erreichen, verdunkelt sich der Himmel zusehends. Wir machen noch ein Gruppenbild und steigen anschließend den oben unangenehm zu gehenden, aber doch einfachen Steig zurück nach Hinterthal zurück. Am Auto angekommen, fängt es bald drauf zu regnen an. Perfektes Timing!

Jupp Berglehner

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