Hochstaufen und Zwiesel Überschreitung 03.07.2021

Wenn man auf der Bundesstraße 20 Richtung Bad Reichenhall fährt, dann erhebt sich fast unmittelbar aus der Ebene eine massige Berggestalt. Der Hochstaufen 1771m. Er steht allerdings nicht alleine, sondern gleich neben ihm ist der Gipfel des Zwiesel 1781m. zu sehen. Vom Hochstaufen zum Zwiesel gibt es einen Verbindungsgrat. Dieser geht letztlich noch weiter bis zum Gamsknogel 1750m. Diesen Verbindungsgrat zu beschreiten, hatten sich vier Bergsteiger vom Straubinger Alpenverein vorgenommen.

Am 3. Juli 2021 machten sie sich auf den Weg. Geparkt wurde beim Gasthof Adlgaß 805m. Man war schon sehr zeitig unterwegs, so dass noch ausreichend Parkplätze zur Verfügung standen. Der Weg führte zunächst zum idyllisch gelegenen Frillensee 922m. Von dort ging es dann weiter, über das bayerische Stiegel zum steiler werdenden Steig. Hier war einst die Grenze zwischen Bayern und dem Fürstbistum Salzburg. Der Weg wurde immer steiler und bald hatte man den ersten Felskontakt. Schnell kam man aus dem Wald heraus und Drahtseile halfen über Felsblöcke und Platten hinweg. Bereits hier gab es beeindruckende Tiefblicke. Nach einem Aufschwung sah man das Gipfelkreuz des Hochstaufen auftauchen. Alle strebten jetzt dem Gipfel zu und beglückwünschten sich zu dem ersten Gipfel dieser Tour. Da das Reichenhaller Haus kurz unter dem Gipfel steht, beschloss man dort vielleicht auf eine Suppe einzukehren. Allerdings war es hier schon sehr voll und angesichts der Coronavorschriften verzichtete man darauf sich hier niederzulassen.

Also ging man auf dem Weg Richtung Bartlmahd und Zwiesel weiter. Zunächst ging es wieder etwas bergab. An einer ebenen Stelle lud eine Bergwiese zum Verweilen ein. Brotzeit wurde ausgepackt und jeder hatte auch reichlich zu trinken dabei. Denn der Weg war noch weit. Schließlich kam man zu dem Schild, an dem sich der Weg trennte. Von nun an ging es steil bergauf. Gleich am Anfang musste man sich an einem Drahtseil empor hangeln und über schrofige Felsen hinweg zum schmalen Gratweg steigen. Nach einigem Auf und Ab, wurde das nächste Gipfelkreuz, der Mittelstaufen 1615m. erreicht. Schon war es wieder Zeit für eine Brotzeit. Allerdings war es nicht nur die Brotzeit die zum Stehenbleiben veranlasste. Die Sicht wurde immer besser und der Frühnebel hob sich auch auf den umliegenden Bergen empor. Man konnte Watzmann, Hochkalter und Reiteralpe sehen. In weiterer Entfernung erkannte man schemenhaft aus dem Nebeldunst herausschauend den Wilden und den Zahmen Kaiser. Der weitere Weg führte immer auf dem Grat entlang. Einmal aufsteigend, einmal aufsteigend. Die schwierigsten Passagen waren immer gut mit Drahtseilen gesichert. Leider verlor man insgesamt etwas an Höhe, so dass man letztlich wieder ein ganz schönes Stück zum Zwiesel aufsteigen musste. Auch dort wurde wieder der herrliche Rundblick genossen. In der Ebene sah man den Waginger See und den Chiemsee. Bis zum Bayerischen Wald reicht der Blick diesmal nicht.

Am Zwiesel überlegte man, ob es von der Kondition und der Uhrzeit her noch passte um die ganze Überschreitung zu machen. Immerhin sind dafür zehn Stunden veranschlagt und mit Pausen darf man 12 Stunden einplanen. Aber alle waren sich einig, dass man am Neunerluck, eine Scharte zwischen dem Zwiesel und dem Gamsknogel, nicht absteigt sondern weitergeht. Somit wurde auch noch der Gamsknogel bestiegen. Dieser ist zwar das kleinere Anhängsel aber der Weg ist durchaus reizend und immer wieder mit luftigen Kletterpassagen gespickt. Vom Gamsknogel ging es dann hinunter zur Kohleralm 1450m. Eine uralte Alm die sehr reizvoll liegt. Dort konnte man einkehren, weil sie geöffnet hatte. Außer den Straubingern waren keine anderen Gäste hier, so dass man sich mit der Sennerin und dem Senner ein wenig unterhalten konnte. Sie erzählten dass sie schon 40 Jahre hierher oben ihren Dienst verrichteten. Nächstes Jahr sei aber Schluss, dann reicht es aber auch. Das ist eigentlich schade, weil der Kuchen der Sennerin ausgezeichnet schmeckte. Von der Kohleralm aus hatte man dann noch einen Abstieg von knapp zwei Stunden zu bewältigen, um wieder in Adlgaß anzukommen. Insgesamt war es eine tolle Bergtour, bei der das Wetter, die Gruppe und der Weg hervorragend zusammen gepasst hatte.

Text: Sepp Zwinger, Fotos: Alexander Franz

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