Kitzbüheler Alpendurchquerung 09. – 11.02.2020

von Ernst, Sepp, Hannelore, Till, Stefan, Peter, Ursula, Gabi, Xaver, Franz, Hubert, Wolfgang, Irmi, Helmut und Albert.

Die Nord-Süd Seitentäler des Brixentals zählen für viele zu den schönsten Skitourengebieten in Österreich. Die Gründe dafür sind wohl die oft erwähnten sanften Grashänge die man dort, meist ohne einen lästigen Waldgürtel zu durchqueren, relativ einfach besteigen kann. Wahrscheinlich zieht es Ernst deswegen immer wieder in die Kitzbüheler Alpen um seine alljährlichen Sektionstouren dort anzubieten. Diesmal sollte es eine dreitägige Durchquerung werden. Und zwar in West-Ost Richtung von Kelchsau übers Windautal ins Spertental.

So verabredeten wir uns für Sonntag um 9 Uhr am Parkplatz der Salvenbahn in Hopfgarten. Dort hatte Ernst 2 Großraumtaxis hinbestellt, die uns zur Erla-Brennhütte im Langen Grund, den Startpunkt der Tour, brachten. Bei bestem Wetter, herrlichen Pulverschnee und Lawinenlage 1 durchquerten wir auf einem kurzen Forstweg den doch (!) vorhandenen Waldgürtel und stiegen über herrliche Skihänge nach Osten Richtung Schafsiedel auf. Der Schafsiedel wird gerne von der Neuen Bamberger Hütte aus bestiegen und ist deshalb dort viel stärker frequentiert als auf der Westseite. Tatsächlich waren wir mit unseren zwei Gruppen die gefühlt Einzigen auf dem Berg, so dass wir die herrrliche Aussicht nur für uns und in aller Ruhe genießen konnten. Nach 6 Stunden und 1270 Höhenmetern erreichten wir dann auch den Gipfel wo wir erwartungsvoll die möglichen Abfahrtsrouten diskutierten. Ziel war die Neue Bamberger Hütte wo wir übernachten würden. Aus dem Skitourenführer kann man erfahren dass man sich bei guter Schneelage die Abfahrt übers Manzenkar nicht entgehen lassen sollte, selbst wenn das einen Wiederaufstieg zur Hütte bedeutet. Also nahmen wir nicht den direkten Weg über die Wildalmseen sondern querten ins Manzenkar um tatsächlich mit besten Pulverabfahrten belohnt zu werden. Das letzte Stück Abfahrt führt dann durch lichten Wald und es mussten sogar Bäche überquert werden. Aber letztendlich trafen wir dann auf den Forstweg der uns nach Wiederanfellen und zusätzlichen 260 Höhenmetern zur Hütte führte. Da der Weg lang war und teilweise ziemlich Steil bergauf führte waren wir alle froh als wir auf einem Gegenhang die Lichter der Hütte fanden, die wir bei Einbruch der Dunkelheit und pünktlich zum Abendessen erreichten. Durch die zusätzlichen Gegenanstiege hatten wir dann an diesem Tag 1645 Höhenmeter auf der Uhr. Den Abend auf der Hütte verbrachten wir nach einem sehr guten Abendessen eher feucht-fröhlich. Da Gabi und Xaver es sich nicht nehmen liessen mit uns ihren Geburtstag zu feiern waren die Anstrengungen des Tages schnell vergessen.

Die zweite Etappe der Durchquerung sollte von der Neuen Bamberger Hütte auf das Kröndlhorn und über Schneegrubenspitze und Steinbergstein hinüber ins Windautal zum Gasthaus Steinberg führen. Die Route Schneegrubenspitze und Steinbergstein ist einer der Skitourenklassiker der Kitzbüheler Alpen und eine, laut Führer, konditionell anspruchsvolle Skitour. Allerdings zeichnete der Wetterbericht schon am Abend zuvor auf der Hütte ein nicht zu Aussichtsreiches Bild. Sturmtief Sabine war im Anmarsch. Deshalb planten wir bei der Abfahrt vom Kröndlhorn über den Reinkarsee über die weitere Route zu entscheiden und bei schlechten Bedingungen auf die letzten beiden Gipfel zu verzichten. So verließen wir nun die Bamberger Hütte bei zwar warmen 0 °C aber viel Wind und einer sich im NW auftürmenden Wolkenwand und stiegen im Gegenuhrzeigersinn Richtung Kröndlhorn auf. Der Gipfelaufschwung von hinten ins Kröndljoch stellte sich als ziemlich anspruchsvoll heraus. Die steilen Flanken waren vom starken Wind in den vergangenen Tagen extrem abgeblasen. Unsere beiden Gruppen verfolgten verschiedene Strategien um dieses Problem zu lösen. Die einen versuchten es mit Harscheisen, während die anderen sich im Ski tragen übten. Beide Strategien führten letztendlich zum Ziel und während ein paar mutige noch den Gipfel besuchten, warteten die anderen im Joch und bereiteten sich derweil geistig auf die Abfahrt vor. Den beissenden Wind im Rücken und den ideal geneigten Pulverhang vor Augen ließ uns nicht viel Zeit auf die Richtigkeit der Route verschwenden und wir fuhren ab. Am Karboden angekommen realisierten wir dann dass wohl ein weiterer Aufstieg nötig sein wird um uns wieder in die richtige Richtung zu bringen. Jedoch waren nach dieser Aktion unsere usprünglichen Zielgipfel ausser Reichweite und wir orientierten uns Richtung Windautal. Da sich nach dem Erreichen des Übergangs die Wetterlage abrupt verschlechterte, war sowieso eine zügige Talfahrt angesagt. Also fellten wir ab und tasteten uns bei Nebel und einsetzendem Schneefall langsam talauswärts, bis Gabi zwei drei Mal hintereinander ohne ersichtlichen Grund gestürzt ist. Ihr ist bei der Abfahrt immer wieder das Knie weggekippt. Irgendwie hatte sie sich so stark verletzt dass sie nicht mehr auftreten konnte. Sie versuchte zwar noch, mit Wolfgangs Hilfe, zu Fuß weiterzugehen aber das ging nur sehr langsam und unter Schmerzen. Bis zu unserem Ziel, dem Gasthaus Steinberg waren noch 6 km und über 700 Höhenmeter zu überwinden und wir brauchten nicht lange um zu realisieren dass hier ein Weiterkommen ohne fremde Hilfe nicht mehr möglich war. Es blieb nichts anderes übrig als zu versuchen einen Notruf abzusetzen. Also gingen zwei Mann los bis sie Handyempfang fanden während die anderen versuchten die Verletzte zu versorgen. Nachdem der versprochene Rettungshubschrauber wegen schlechter Sicht abdrehen musste machte sich die Rettung mit Tourenski auf den Weg und brachte nach zwei Stunden nebst Rettungszelt, Wärmewesten und Sicherungsseilen einen Akja hoch, in den sie Gabi verfrachteten und abtransportierten. Das ganze war eine riesen Aktion und wurde in den regionalen Medien breit präsentiert. Wir als betroffene waren aber mehr als dankbar für die zum Großteil ehrenamtlichen Helfer und ihren tatkräftigen Einsatz. Es stellte sich auch heraus dass die beteiligten Sektionsmitglieder durchaus in der Lage sind mit so einer Situation souverän umzugehen und sich in Gefahrensituationen richtig zu verhalten und Entscheidungen zu treffen.

Als wir nach einer gefühlten Ewigkeit endlich im Gasthaus Steinberg aufschlugen, waren wir wieder einmal genau pünktlich zum Abendessen. Bei der darauffolgenden Besprechung haben wir uns dann entschlossen die Tour hier abzubrechen. Weitergegangen wäre es am nächsten Tag mit einem Aufstieg aufs Gerstinger Joch und der Abfahrt zur Oberlandhütte im Spertental. Es hatte aber niemand mehr richtig Lust die Tour ohne Gabi fortzusetzen. Argumente dafür waren auch schnell gefunden. Auf den Bergen wütete Sturmtief Sabine immer noch mit aller Gewalt mit einhergehender erheblicher Lawinenwarnung und Triebschneegefahr. Also schalteten wir geistig auf Heimfahrmodus und ließen den, letztendlich doch noch gemütlich gewordenen Abend, ausklingen.

Abgesehen von Gabis Unfall erlebten wir zwei, zwar anstrengende aber wunderschöne Skitourentage in den Kitzbüheler Alpen an die sich bestimmt jeder der Beteiligten lange erinnern wird.

Albert

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