Skihochtourenkurs Neue-Prager-Hütte – 21. bis 24. März 2019

Wie hoch ist er nun wirklich, der Großvenediger, 3.666 oder 3.662 Meter? Da widersprechen sich Wanderkarten und lokale Höhenangaben. Und noch eine Frage: ist er nun der zweithöchste Berg unseres Alpennachbarlandes oder der fünfthöchste, wenn man die Nebengipfel des Großglockners mitzählen wollte? Diese Fragen sind bei unserem Skihochtourenkurs völlig unbedeutend, viel zu schön ist das Wetter und viel zu gut auch die Stimmung im Team unter der fachkundigen und besonnenen Leitung Peppis.

Am Donnerstag trifft man/frau sich gegen Mittag am Matreier Tauernhaus, um sogleich mit den ersten Ausbildungsinhalten zu beginnen: Einsatz von Steigeisen und Pickel, was sehr gut im Eispark Osttirol unweit vom Matreier Tauernhaus geübt werden kann. Mit Martin haben wir einen zweiten, erfahrenen Fachübungsleiter dabei. So können je 4 Teammitgliedern an zwei massiven Balkonen der im Winter unbewohnten Almhütten in Aussergschlöss geschult werden. Die Schwerpunkte dabei sind die Rettung aus einer Gletscherspalte bei einem Zweierteam, also die Eigenrettung, sowie die Spaltenrettung in einem Team mit drei oder mehr Teilnehmern. Dank Prusikschlinge und dem Flaschenzug-Effekt ein Kinderspiel - aber nur, wenn man´s gelernt und geübt hat!

Nach einer komfortablen Übernachtung im Einzel- oder Doppelzimmer starten wir am nächsten Morgen Richtung Neue Prager Hütte, von 1.512 auf 2.796 Meter über dem Meeresspiegel! Bei strahlendem Sonnenschein gehts zuerst langsam den Tauerntalweg hoch nach Ausser- und Innergschlöss an der Felsenkapelle und dem Venedigerhaus vorbei und dann über den Gschlössbach. Nach einer kurzen Pause spuren wir steil hinauf durch den lichten Wald zum Venediger Höhenweg, der in einiger Entfernung an der Alten Prager vorbei bis hoch zur Neuen Prager Hütte führt. Wir nutzen das tolle Wetter ca. 400 Höhenmeter vor dem Tagesziel und üben den Einsatz des LVS-Gerätes mit Sonde und Schaufel. Die letzten Höhenmeter werden bei der Sonneneinstrahlung zu einer echten Herausforderung. Komfortabel ist sie nicht, die Hütte! Aber das Abendessen schmeckt und in den beiden Lagern kehrt schnell Ruhe ein.

Am nächsten Morgen freut sich jeder auf das Tagesziel, den Großvenediger. Bei dem Wetter und der Aussicht wird die Skitour zum reinen Vergnügen! Den letzten Anstieg über die Scharte gehen wir mit Steigeisen und gegen Mittag ist es geschafft: wir stehen am Gipfelkreuz des (für uns) zweithöchsten Berges Österreichs auf 3.666 Meter! Wir, das sind unsere beiden Fachübungsleiter Peppi und Martin E., Julia, Stefan, Christian, Peter, Martin G., Michael, Rosi und Hermann. Wir genießen lange die unglaubliche Fernsicht - 150 km oder sind´s mehr?

Aber dann geht’s zwischen dem Hohen Zaun und der Kristallwand (3.310) steil hinab zum Schlatenkees. Wieder machen wir zwei Gruppen und unsere Guides führen uns sicher über den Gletscher zurück zur Neuen Prager Hütte.

Der letzte Tag unseres Skihochtourenkurses bricht an. In zwei Gruppen spuren wir ohne Eile hoch auf den Kleinvenediger auf 3.471 Höhe. Wir fellen ab und freuen uns auf eine lange Tourenabfahrt bei strahlendem Wetter. Zuerst geht es zur Venedigerscharte, von da fahren wir steil ab zum Obersulzbachkees. Im ersten Teil haben wir noch Pulver, da die Sonne hier nur kurze Zeit am Tage reinschaut. Dann wird es richtig sonnig und die Schneeoberfläche ist leicht gedeckelt. Der Wind legt sich und wir nutzen diese Tatsache und die Sonne für eine kleine Rast. Dann geht’s weiter und aus dem leichten Deckel wird ein fester! Nicht einfach zu fahren, aber wenn sich die Hangneigung weg von der Sonneneinstrahlung wendet, wird der Schnee pulvrig. Beim Zwischensulzbachtörl wenden wir uns ostwärts und gelangen über das Untersulzbachtörl zum Viltragenkees. Ab und zu genießen wir feinsten Firn, aber teilweise müssen wir auch mit schwerem Bruchharsch klarkommen! Weiter und weiter führt uns die Skitour mit wechselnden Schneequalitäten abwärts, bis wir wieder in Inner- und dann in Aussergschlöss ankommen und dann am Bach entlang weitergleiten, bis wir schließlich unseren Ausgangspunkt, das Matreier Tauernhaus erreichen.

Die Sonne erlaubt die verdiente Brotzeit im Freien. Wir stoßen auf unsere exzellenten Guides an, die uns viel gelernt und sicher geführt haben! Danke!

Hermann

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