Skitouren am Pragser Wildsee (Pragser Dolomiten)

Während die Nordalpen immer noch von dem Überangebot an Schnee von der ersten Januarhälfte zehren konnten, herrschte in der ersten Märzwoche südlich des Alpenhauptkamms eher Schneearmut. Mit diesem Wissen fuhren wir also am Donnerstag früh los in die Pragser Dolomiten und hofften daß wir trotzdem ausreichend Schnee für unsere geplanten vier Tourentage vorfinden würden.

Bei der Anfahrt regnete es in Strömen. Der Wetterbericht meldete Regen in Prags bis 1500 m. Da wir uns in ein Gasthaus im Pragser Tal auf 1220 m Höhe eingebucht hatten, waren das erstmal nasse Aussichten. Die WhatsApp Bilder von Wolfgang, Irmi, Peppi, Ursula, Stephanie und Andy, die schon am Abend zuvor angereist waren, trugen auch nicht gerade zur Stimmungsaufhellung bei. Während wir noch unterwegs waren starteten sie schon eine Erkundungstour von der “Haustür” weg in Richtung Großer Rosskopf. Mussten aber nach 750 Höhenmeter wieder umkehren weil ein Weitergehen wegen ihrer extrem anstollenden Felle in dem nassen Schnee nicht mehr möglich war.

Wir, das waren Sabine, Franz, Till, Helmut und ich, hingegen wollten uns das nicht antun und steuerten von der 2000 m hoch gelegenen Plätzwiese den Helltaler Schlechten an. Dort fanden wir zwar relativ guten Schnee vor, dafür wurde weiter oben die Sicht mit jedem Höhenmeter schlechter und der Wind stärker. Bei gefühlten 10 m Sichtweite und orkanartigen Sturm erreichten wir dann den Gipfel. Der Plan war dort schnell ein Foto fürs Protokoll zu machen, abzufellen und der Aufstiegsspur entlang wieder abzufahren. Jedoch machte uns hier der Wind einen Strich durch die Rechnung, bzw. durch die Aufstiegsspur. Die war nämlich nicht mehr zu erkennen. Also hieß es: Blindflug nach unten – bis es nicht mehr weiterging weil sich vor uns aus dem Nebel plötzlich eine Steilrinne auftat die zu steil war um hier abzufahren. Also fellten wir wieder auf, stiegen 100 Hm auf und tasteten uns an anderer Stelle mittels Kompass den Berg hinab.

Am zweiten Tag starteten wir dann ebenfalls oben an der Plätzwiese und nahmen uns die Pinscharte an der Hohen Gaisl vor. Über Nacht hatte es dort oben geschneit und unsere Ski stollten wieder an, so dass wir etliche Höhenmeter ohne Felle gehen konnten. Die Sicht war zwar ein klein wenig besser als am Tag zuvor, die Scharte fanden wir aber trotzdem erst im zweiten Anlauf als die Wolken ein wenig zur Seite rückten.

Am dritten Tag hatte es über Nacht etwas abgekühlt, so dass wir etwas weiter unten starten konnten und den Grossen Jaufen vom Parkplatz Brückele aus angingen. Von dort ging es zuerst den Sommerweg entlang übers Kaserle zur bewirtschafteten Rossalm und dann weiter zum Grossen Jaufen. Von dort hatten wir einen fantastischen Rundblick zur Ofenmauer mit dem Grossen Seekofel bis zu den Drei Zinnen. Bei der Abfahrt nahmen wir die Gelegenheit war um beim Einkehrschwung in der gemütlichen Rossalm auf den Gipfel anzustossen. Der urige Hüttenwirt gab uns dann noch den Tipp, anstatt direkt den Sommerweg abzufahren, die Nordhänge der Kleinen Gaisl mitzunehmen. Gesagt getan fellten wir an der Alm wieder auf und gingen Richtung Süden bis unter die Nordwände der Kleinen Gaisl. Dort fellten wir dann ab und fuhren in herrlichen Pulverschnee bis zurück unters Kaserle wo wir wieder auf den Sommerweg trafen.

Der letzte Tag stellte uns vor das Problem eine geeignete Tour zu finden die einerseits nordexponiert und andererseits nicht zu lang ist da ja die Heimfahrzeit miteinzuberechnen war. Hier setzte sich nach einiger Diskussion Peppi durch, der mit dem Grossen Rosskopf noch eine Rechnung zu begleichen hatte. Also brachen wir am Sonntag, nur noch zu neunt, zur Abschlusstour auf. Wenn man den Sommerweg einmal hinter sich hat versprechen die schönen Nordhänge bis zur Gamsscharte hinauf bis zum Früjahr hinein guten Schnee. Und so war es dann auch. Um die herrliche Powderabfahrt als erster geniessen zu können, liessen Till, Helmut und ich es an der Gamsscharte gut sein und fuhren ab. Der Rest liess es sich nicht nehmen um mit Peppi von Herrn Rosskopf ihre Rechnung vom ersten Tag einzufordern und die verbleibenden 100 Höhenmeter weiterzusteigen um das schöne Gipfelkreuz zu besichtigen.

Wieder zurück im Gasthaus wurde dann nach kurzem Umziehen und Kaffeepause zügig die Heimreise angetreten. Alles in allem waren es trotz der geringen Schneeauflage und der am Anfang eher nassen Verhältnisse vier schöne Skitourentage um den Pragser Wildsee die zur Wiederholung einladen.

Albert

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