Skitouren im Sellrain / Kühtai 13. – 16. Februar 2019

„Wenn Engel reisen …“ konnte einem durch den Kopf schießen, wenn man sich den Wetterbericht für die vier Skitourentage angeschaut hat. Und er hat gehalten, was er versprochen hat: strahlender Sonnenschein und blauer Himmel von früh bis spät!

So starteten die 16 Teilnehmer unter der Leitung vom Peppi Grill am Mittwoch früh um sechs von der Kletterhalle aus in Richtung Sellrain. Stützpunkt war die mit dem Auto gut erreichbare Dortmunder Hütte am Ortsrand von Kühtai auf 1.948 m. Dort konnten wir unsere Lager kurz vor Mittag bereits beziehen, bevor wir unsere Skier schulterten bis zur Talstation der Kaiserbahn. Aber weit gefehlt, es ging ohne Seilbahnhilfe mit Muskelkraft hinauf, zunächst sehr schweißtreibend im sonnenbeschienenen Hang am Lift entlang und dann unterhalb des Vorderen und Hinteren Grieskogels in Richtung Gipfel. Aufgrund der Lawinenwarnstufe 3 war Sicherheitsabstand in den steileren Passagen angesagt, jedoch die „Grabungen“ vom Albert ergaben dann eher Entwarnung. Glücklich erreichten sodann alle 16 Tourengeher nach 878 hm den Pirchkogel mit seinen 2.828 m. Bis hinunter zum Skigebiet wartete herrlicher, unverspurter Pulverschnee auf die Gruppe, danach konnte entweder auf der Piste oder – etwas mühseliger – in ziemlich zusammengefahrenem Gelände abgefahren werden. Der langsamere Teil der Skifahrer war allerdings etwas schlauer und hat noch eine Hütteneinkehr bei den letzten Sonnenstrahlen eingelegt, während die ersten im schattigen Tal das Nachsehen hatten.

Donnerstagfrüh marschierten wir dann bei entspannterer Lawinenwarnstufe 2 zunächst steil auf die Staumauer des Speichersees Finstertal und dann mit etwas Höhenverlust am See entlang, bis es wieder bergauf ging in Richtung Finstertaler Scharte. Und wir waren tatsächlich die ersten, die ihre Spuren in den traumhaften Pulver zogen. Dafür wartete aber ein hartes Stück Plagerei für diejenigen, die der Gruppe voranstiegen und die Spur anlegten. Kurz vor dem Gipfel hieß es dann, die Harscheisen anzulegen (so man denn welche dabei hatte). Ob mit oder ohne, wieder erreichten alle den Finstertaler Schartenkogel auf 2.854 m, nach 978 hm Aufstieg. Nach ausreichender Rast fuhr ein Teil der Gruppe den bis 35 ° steilen Osthang ab, während der Rest sich über die festgefrorene Aufstiegsspur durch Felsen nach unten kämpfte. Das folgende Becken konnten dann aber wieder alle mehr oder weniger – je nach Fahrkönnen – genießen.

Ein Stück oberhalb des Stausees hatten einige wenige, darunter auch ich, noch nicht genug, und so wurden die Felle wieder angelegt. Ziel war der Sulzkogel, angeblich „nur“ weitere 400 Höhenmeter. Und so stapfte ich mit Reinhard und Helmut hinter dem fleißig spurenden Albert hinterher. Nach einer gefühlten Stunde hatten wir nach Meinung der Herren immer noch 400 Höhenmeter vor uns. Aber mitgehangen ist halt mitgefangen. Der schmale Grat war für mich eine Zitterpartie, dann noch einen steilen Hang gequert, um schließlich vom Skidepot aus noch weitere 150 Höhenmeter zu Fuß zu bezwingen. Insgesamt hatten wir dann zusätzliche 2 Stunden Aufstieg mit 676 Höhenmetern zurückgelegt. Der Lohn war dann das einzige Gipfelkreuz der vier Tage. Allerdings war die Tageszeit schon ziemlich vorangeschritten, so dass wir bald wieder aufbrachen Richtung Tal. Die Abfahrt bis zum Stausee war erneut herrlich, dann mussten wir aber ein drittes Mal auffellen, um den Höhenverlust vom Aufstieg wieder wettzumachen. Bei Sonnenuntergang erreichten wir dann endlich die Staumauer, um „mit Hirnbirn und Sonnenbrille“ die letzten Höhenmeter runter zu wedeln. Gegen halb sieben waren wir endlich an der Hütte, wo die anderen bereits ungeduldig auf uns warteten, um mit dem Abendessen anfangen zu können.

Ausgeruht und frisch gestärkt machte sich die Gruppe am Freitagmorgen bei mittlerweile Lawinenwarnstufe 1 auf in Richtung des Hochreichkopfs mit seinen 3.010 Metern. Zuerst musste aber das Längental durchschritten werden, das seinem Namen alle Ehre machte. Zusätzlich wurden – gefühlt – kaum Höhenmeter gemacht. Endlich ging’s dann doch noch bergauf über verlockend steile Hänge bis zur Niederreichscharte auf 2.728 Meter, wo es erst mal zu Ende war mit den Skiern. Fünf Teilnehmer ließen es gut sein und fuhren nach einer dank des eiskalten Winds kurzen Pause gleich wieder ab. Die restlichen elf richteten ein Skidepot ein und stapften los über den Nordwestgrat des Hochreichkopfs, knapp 300 Höhenmetern mit 1+ bis 2- Kletterstellen vor sich. Peppi hatte uns vier Frauen dabei (Irmi, Julia, Ursula und mich) und entschied nach einer Weile, dass der Gipfel für uns ohnehin nicht machbar wäre, und so kletterten wir wieder ab. Albert, Franz, Hans, Helmut, Reinhard und Stefan schafften es bis ca. 150 m unterhalb des Gipfels, kehrten dann aber ebenfalls um. Die Abfahrt war wieder einmalig schön, unverspurte Pulverschneehänge vom Feinsten. Selbst das Längental war ziemlich gut fahrbar, mit nur kurzen Schiebepassagen, was wir uns beim Aufstieg kaum vorstellen hatten können. Kurz vor Talende beschlossen wir vier Frauen noch, ein paar Höhenmeter dranzuhängen, und stiegen in Richtung Skigebiet auf. Von den später abfahrenden Männern folgten uns noch weitere vier. Gemeinsam ging’s dann zum Einkehrschwung auf die sonnige Terrasse des Hotels Alpenrose, wo Sonja, Armin, Gerhard und Peter bereits vorgeglüht hatten.

Leider vergeht die Zeit viel zu schnell und unser letzter Tag war auch schon angebrochen. Diesmal fuhren wir – jetzt nur noch zu dreizehnt - mit den Autos bis zur Staumauer des Längental-Stausees. Es war Samstag und damit deutlich mehr los als an den letzten Tagen, wo wir großteils alleine unterwegs gewesen waren. Unser heutiges Ziel war die Wechnerscharte auf 2.758 Metern. Durch das Mittertal stiegen wir in Richtung Acherkogel auf, bogen dann aber in südöstliche Richtung ab in die nach oben immer schmaler werdende Scharte. Insgesamt hatten wir 858 Höhenmeter gutgemacht. Mit Blick auf unser gestriges Ziel genossen wir noch einmal unsere Rast unter blauem Himmel, bevor ein letztes Mal die Skier angeschnallt wurden. Vor allem im oberen Bereich war der Hang schon ziemlich verspurt, weiter unten war aber immer noch das eine oder andere unberührte Fleckerl Pulverschnee zu finden.

Und so ließen wir die vergangenen Skitourentage noch auf einer sonnigen, aber windigen Restaurantterrasse ausklingen, bevor wir glücklich und zufrieden wieder Richtung Heimat starteten. Vielen Dank, Peppi, für die tolle Organisation und die perfekte Auswahl der Skitouren!

 

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