Auf den „König von Rauris“ - Tour auf den Hohen Sonnblick in der Goldberggruppe

20.-22.08.2021

Eine mehr oder weniger hohe Regen- bzw. Gewitterwahrscheinlichkeit hatte der Wetterbericht wenige Tage vorher noch für dieses Wochenende in der Rauriser Gegend prophezeit, was die Vorfreude auf dieses Tourenwochenende etwas getrübt hatte. Bis zum Treffpunkt um 6:30 Uhr am Parkplatz Aiterhofen wurde die Vorhersage jedoch immer besser, weshalb man hoffen konnte, zunächst wenigstens das zweimalige Übernachtungsquartier trocken zu erreichen. So startete unsere Gruppe (Barbara, Beate, Gabi, Rosi Manfred, Sabine, Jochen, Paula) unter der Federführung von Kalle und Diana einigermaßen optimistisch nach Kolm Saigurn zum Parkplatz Lenzanger im Rauriser Tal, an dem Inge bereits auf uns wartete. Mit einigen Wolken am Himmel, teilweise sogar bei Sonnenschein, begann der Aufstieg mit knapp 600 Hm zunächst über eine Forststraße, dann wurde der Weg auf einem mittelschweren Steig wild-romantisch. Feucht und schattig ging es anschließend am Barbarawasserfall vorbei, später durch weitläufige Bergwiesen mit wunderbarem Blick auf die Umgebung im Nationalpark Hohe Tauern bis zu unserem heutigen Ziel, dem Schutzhaus Neubau auf einer Höhe von 2175 m.

Hier gab es erst einmal mit kräftiger Kaspressknödelsuppe, fantastischem Zwetschgenstreuselkuchen bzw. Topfenstrudel eine erste Stärkung, bevor sich die meisten von uns nach dem Lagerbezug daran machten, einen Teil des Tauerngold-Rundwanderwegs zu erkunden, einige in der Hoffnung, hier als Goldsucher erfolgreich zu sein. Doch dazu später mehr! Mit dem Wetter hatten wir weiterhin großes Glück, da der Himmel zwar wolkenverhangen war, aber nur kurz einige Regentropfen auf uns herabfielen. Über sieben Kilometer und insgesamt ca. 500 Hm zieht sich dieser Weg, vorbei an den historischen Stätten des einige Jahrhunderte währenden Goldabbaus (deshalb auch der Name „Goldberggruppe“) und beinhaltet außerdem einen Gletscherschaupfad. Verschiedene „Überbleibsel“ erinnern noch an den einstigen Reichtum dieser Region: Da ist einmal das Knappenhaus, das während der Blütezeit des Bergbaus von 1475-1555 den Knappen als Wohn-, Schlaf- und Wirtschaftsgebäude diente. Von hier aus fuhren sie in die verschiedenen Stollen des Goldbergwerks ein, um für den Landesherrn Golderz zu fördern. Das Bremserhäusl, errichtet von 1831-1833 auf einer Höhe von 2331 m, bildete die oberste Stelle des Schrägaufzugs, welcher bis ins Tal führte und durch ein 11 Meter hohes Wasserrad angetrieben wurde. Dies war außerdem der Umladeplatz für das Golderz sowie die Versorgungsgüter und vor allem in der Hochzeit des Bergbaus im 19. und 20. Jahrhundert enorm wichtig. Heute erweist sich diese Gegend als Paradies für Gold- und Mineraliensucher (ja, man findet bei geduldiger Suche mit etwas Glück in der Erde sogar kleine Goldpartikel!), was vor allem Kalle, Jochen, Paula, Barbara, Inge und Sabine feststellen konnten. Jedenfalls war ihr Gepäck beim Abstieg am Sonntag um einiges schwerer als beim Aufstieg! Gneis, Kalkglimmerschiefer, Amethyste und vor allem Bergkristalle erfüllten ihren Wunsch, schöne Steine zu finden. Nach diesen tollen Erlebnissen schmeckte das 3-Gänge-Menü, bei dem auch die Vegetarier voll auf ihre Kosten kamen, besonders gut und nach einigen Achteln Rotwein legte man sich voller Erwartungen auf den kommenden Tag zufrieden ins Lagerbett.

Und diese Erwartungen wurden mehr als erfüllt! Die Nacht war erstaunlich ruhig (bei so vielen Menschen in einem Lager gar nicht so selbstverständlich!), die Sonne lachte vom wolkenlosen Himmel und nach einem kräftigen Frühstück (der Kaffee hat seinen Namen wirklich verdient!) stand unserer Hauptattraktion dieses Wochenendes, der Besteigung des Hohen Sonnblicks, mit seinem 3106 Metern auch der „König von Rauris“ genannt, nichts mehr im Wege. Dieser (noch!) vergletscherte Berg des Alpenhauptkamms gilt unter Bergfreunden als „Paradedreitausender“. Der Aufstieg begann nach der Überquerung eines Gletscherbachs mit einem Flachstück. Bei einer leichten Steigung säumten zunächst zufrieden grasende bzw. kauende Kühe den Weg, der großartige Ausblick in das Rauriser Tal begleitete uns dagegen – auch dank des fantastischen Wetters - bis zum Gipfel. Bis zu unserer Zwischenstation, der Rojacher Hütte auf 2718 Metern, galt es dann bereits, kurze Schneefelder und leichte Kletterstellen zu überwinden. Die letzten 300 Hm wurde die Kraxelei über den blockigen, stellenweise oft luftigen Südwestgrat auf vom Gletscher geschliffene Steinplatten im alpinen Gelände dann einigermaßen anstrengend. Doch ist der Steig bestens markiert, Drahtseile sowie Klammern helfen außerdem über die Schlüsselstellen. Mit dem genialen Panorama am Gipfel und dem sehr guten Essen bei der Einkehr auf dem Zittelhaus wurden wir schließlich bestens belohnt! Es ist die höchstgelegene Schutzhütte des Österreichischen Alpenvereins, daneben befindet sich außerdem das Hochgebirgsobservatorium Sonnblick. Als meteorologische Station 1886 eröffnet, ist es Europas höchste dauerhafte Wetterwarte. Als wir nach dem Abstieg unser Quartier am späten Nachmittag wieder erreichten, waren wir uns alle einig, einen perfekten Bergtag genossen zu haben, an dem alles dabei war (nach dem Abendessen sogar noch der für diese Gegend typische und vom Hüttenwirt selbst hergestellte Zirbenschnaps!).

Leider war die Wettervorhersage für den letzten Tag nicht mehr gut, ab dem späten Vormittag oder Mittag gab es ein erhöhtes Regen- bzw. Gewitterrisiko, weshalb sich nach ausführlicher Beratung zwei Gruppen bildeten. Die „Gold- und Bergkristallsucher“ (Kalle, Inge, Sabine, Jochen, Paula, Rosi und Beate) machten sich noch einmal auf den Tauerngoldrundwanderweg und Gletscherschaupfad, und zwar dieses Mal am Radhaus vorbei über das Ochsenkar bis zu einem wunderschönen Gletschersee im Talschluss. Hier erwies sich die traumhafte Berglandschaft als wahres Eldorado für seltene, wunderschöne Steinformationen. Vor allem Jochen und Paula hatten ein sehr gutes Auge für die Bergkristallsuche!

Die andere Gruppe (Gabi, Barbara, Manfred und Diana) wollte unseren ursprünglichen Plan umsetzen und brach gegen 7:00 Uhr Richtung Schareck (3123m) auf. Nach ca. 1 ½ Stunden hatte sie die Fraganter Scharte erreicht, doch leider zogen jetzt bereits immer mehr Wolken herein. Trotzdem wurde beschlossen, bis zur Herzog-Ernst-Spitze (2933m) aufzusteigen, um dann dort zu entscheiden, ob das Schareck noch möglich ist. Da hier der Grat zum Schareck jedoch bereits komplett in den Wolken verschwunden und die Sicht immer schlechter geworden war, erfolgte schweren Herzens der Rückstieg zur Fraganter Scharte, die nun ebenfalls völlig im Nebel lag. Zur Abwechslung entschied man sich jedoch, nun über die Niedere Scharte zum unteren Goldbergkees mit seinem beeindruckenden Gletschertor mit Gletschersee abzusteigen, auch in der Hoffnung, hier die Goldschatzsucher zu treffen. Unerwarteter Weise kam plötzlich die Sonne wieder heraus und eröffnete einen genialen Rundblick über eine traumhafte Landschaft. Der Weg führte nun über Blockgelände, Schneefelder sowie an einem kleinen Gletschersee vorbei. Trister Moränenschutt wechselte sich mit farbigen Blümchen auf grünen Moospolstern ab, in der Ferne konnte man unser Tourenziel des Vortags, den Hohen Sonnblick, bewundern. Schließlich war auch Barbara das „Mineraliensucherglück“ hold, als sie genau zum richtigen Zeitpunkt an die richtige Stelle blickte, wo sie einen ca. 6 cm langen wunderschön geschliffenen Bergkristall fand. Am Gletschersee trafen Bergsteiger und Gesteinssammler wieder zusammen, gemeinsam traten wir den Rückweg zur Hütte an.

Durch ein leckeres Schwammerlessen gestärkt, machten wir uns an den Abstieg über den zwar etwas längeren, aber weniger steilen, knieschonenden, landschaftlich sehr beeindruckenden Rauriser Urwaldsteig, einen Jahrhunderte alten, naturbelassenen Sturzwald. Mit seinen über 80 dunklen Moortümpeln, Sturzfichten, Zirben und romantischen Lichtungen gilt er als besonderes Naturjuwel Österreichs. Da es kurz nach unserem Aufbruch zu regnen begonnen hatte, konnten wir dies leider nicht mehr entsprechend genießen. Doch trotz dieses nassen Abschieds vom Rauriser Tal war es ein wunderschönes Wochenende mit zahlreichen Mineralien als Mitbringsel (gefunden oder in der Hütte käuflich erworben!) und unvergesslichen Bergerlebnissen, auch dank der tollen Stimmung in unserer Gruppe sowie der perfekten Organisation von Diana und Kalle!

Beate Freymüller

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