Tourenbericht "Vom Wanderer zum Bergsteiger"

Zehn ambitionierte Bergfreunde wollten sich in einem dreitägigen Kurs „Vom Wanderer zum Bergsteiger“ mit den vertikalen Spielarten und Grundlagen des Alpinkletterns vertraut machen. Ausbildungsquartier war die Schmidt-Zabierow-Hütte in den Loferer Steinbergen.

Zunächst verhagelte uns die Wetterlage jedoch gehörig die Planungen und prognostizierte für den ersten Tag kräftigen Dauerregen. Kurzfristig mussten wir deshalb umdisponieren und den Sonntag mit intensivem Trockentraining in der Straubinger Kletterhalle verbringen. Hier standen Knotenkunde, Sicherungstechnik mit HMS und Tuber, Standplatzbau, Abseilen und weitere Techniken auf dem Programm.
Am frühen Montagmorgen startete die Truppe schließlich ins alpine Gelände und stieg nach der Anfahrt nach Lofer die 1.150 Höhenmeter auf zur Hütte, die majestätisch auf einem Absatz auf 1.966 Metern thront. Das freundliche Hüttenteam erwartet uns bereits und begrüßte uns mit leckeren Suppen. Nach Überprüfung der Corona-Modalitäten ("geimpft, genesen oder getestet") durften wir es uns ohne weitere Einschränkungen in der Hütte gemütlich machen.
Das Steilgelände war nach den morgendlichen Regenfällen mittlerweile abgetrocknet und es war an der Zeit, die Übungseinheiten aus der Halle an den realen Fels zu übertragen. In zwei parallelen Routen sammelten die zehn Teilnehmer unter den wachsamen Augen der Trainer Tom und Till ihre ersten Praxiserfahrungen. Erstaunt erlebten einige, dass neben Seil- und Klettertechnik weitere Gesichtspunkte eine elementare Rolle spielen: richtiger Zustieg zum Fels, Erkennen der korrekten Route, Orientierung in der Route und Vermeidung von Steinschlag bei losem Geröll.
Zwar konnten wir die Kletterrouten ohne Niederschlag beenden, aber dichter Nebel ließ die Suche nach dem Abstiegsweg zur Herausforderung werden. Trotzdem erreichten wir gerade noch rechtzeitig zum Abendessen die Hütte und wurden prompt mit wärmenden Suppen und exzellentem Gulasch versorgt. Nahtlos ging der Abend anschließend in die Tourenplanung für den nächsten Tag und gemütliches Beisammensein über.
Am Dienstagvormittag wurden die Inhalte weiter vertieft und zwei herrliche Kletterrouten bewältigt. Während sich zwei Seilschaften in der "Pipifax" (7 Seillängen, UIAA 4) vergnügten, wagten sich die anderen drei Seilschaften in die "Little Nose" (6 SL, 5-). Beide Routen führten durch kompakten, griffigen Kalk mit zahlreichen Wasserrillen und guter Absicherung. Aus der "Little Nose" seilten sich die angehenden Alpinisten komplett ab und ließen die Tuber heiß laufen.
Während der anschließenden Rast auf der Hüttenterasse zogen bereits wieder dunkle Wolken auf. Der angekündigte Regen ließ uns die verdiente Brotzeit jedoch noch verzehren und setzte erst während des Abstiegs ein. Nach einem heftigen Gewitter kamen wir um 17 Uhr völlig durchnässt am Parkplatz an und waren dankbar über die in den Autos deponierte trockene Reservekleidung.

Trotz der widrigen Wetterlage konnte der Kurs erfolgreich durchgeführt werden und die Bergliebhaber erlebten zwei eindrucksvolle und lehrreiche Tage in den sehenswerten Loferer Steinbergen. Alle waren sich einig, dass die Grundlagen baldmöglichst bei alpinen Unternehmungen vertieft werden sollen.

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