Tourenleiterwochenende 17. bis 19. Mai 2019 auf der Blaueishütte

Am Freitag nachmittags machten sich 12 Tourenleiter unserer Alpenvereinssektion auf den Weg zur Blaueishütte. Die Wetterprognose war nach mehreren Regentagen endlich wieder sehr gut, allerdings wussten wir, dass uns noch sehr viel Schnee erwarten würde. Auf unserem Marsch über den Fahrweg vom Holzlagerplatz nahe des Hintersees bei Ramsau kam uns bereits die Schneefräse auf Raupenketten entgegen. Sie hatte auf dem letzten Stück zur Materialseilbahn viel Arbeit geleistet, und die weiteren 150 Höhenmeter führte uns der Anstieg über eine hohe, geschlossene Schneedecke zur Hütte. Für die Wirtsleute war an diesem Wochenende Saisonstart, sie konnten sich Mitte Mai kaum an ähnlich viel Schnee erinnern. Welche Touren- und Ausbildungsmöglichkeiten würden wir haben? Unser Polizeibergführer und Trainer B Hochtour Markus Schwesinger war vorweg aus dem Allgäu angereist und hatte die Verhältnisse ausgekundschaftet. Bereits zuhause hatten wir vereinbart, dass wir neben Pickel und Steigeisen auch Lawinenschaufel, Sonde und Verschüttetensuchgeräte mit dabei haben werden. Die Lawine weiß nicht, ob der Bergsteiger mit Ski oder zu Fuß unterwegs ist...

Nach sehr gutem Essen - wofür die Blaueishütte bekannt ist - besprachen wir den weiteren Ablauf des Wochenendes und es wurde deutlich, dass uns so viele interessante Ausbildungsthemen erwarten, dass die angespannten Verhältnisse uns kaum einschränken würden.

Am nächsten Morgen erwartete uns strahlend blauer Himmel und milde Temperaturen. Ein paar unermüdliche Skitourengeher kamen aus dem Tal an der Hütte vorbei und stiegen auf Richtung Blaueisscharte. Wir beschränkten unseren Aktionsradius auf die Umgebung der Hütte, frische Nassschneelawinenkegel aus der Flanke der Schärtenspitze und noch viel Schnee sogar in den Felswänden rund um den Blaueiskessel untermauerten diese Entscheidung.

Auffrischung in Knotenkunde, Gebrauch des Pickels im Auf- und Abstieg, verschiedene Fixpunkte in unterschiedlichen Schneearten, "weiches Sichern" am sog. Toten Mann, Spaltenbergung in der Dreierseilschaft mittels loser Rolle mit und ohne Bremsknoten, auch ein Mitreißunfall am kurzen Seil wurde demonstriert. Der Tag verging wie im Flug. Zwischendrin kamen die Skibergsteiger zurück und bestätigten uns, dass wir hinsichtlich der Schneequalität nichts versäumt haben.

In den Sonntag starteten wir mit Sturzübungen im steilen Schnee, Bremsen im Liegestütz und Pickelrettungsgriff muss immer wieder aufgefrischt werden. Am frühen Morgen war die Schneedecke noch geeignet, dass wir uns mit Hurra und kopfüber in den noch nicht so durchfeuchteten Firn stürzten. Danach übten wir im sonnenbeschienenen Blockfeld verschiedene Standplatzaufbauten und Rettungstechniken. Express- und Schweizerflaschenzug war den meisten geläufig, body-hawling lernten wir als neuere Alternative kennen. Und auch eine für manchen abenteuerliche Abseilmethode mit Einfachseil präsentierte uns Schwesi. Ob einer seine Ausrüstung um den sog. Escaper erweitern mag, der zum Abziehen des Einfachstranges erforderlich ist, werden wir sehen!?

Nach einer abschließenden Kaffeerunde auf der Hüttenterrasse machten wir uns gut gerüstet wieder auf den Heimweg. Unser Ausbilder Markus hatte sich hervorragend auf die gegebenen Verhältnisse und auf die Zusammensetzung der Gruppe eingestellt. Von den Anwesenden wusste jeder etwas aus seinem Erfahrungsschatz und von seinen Sektionstouren beizutragen, sodass sich ein lebhafter Austausch und vielfältige Übungsinhalte ergaben. Vielen Dank an Markus! An alle anderen Tourenleiter richte ich den Wunsch, sich dann bei unserem nächsten Tourenleiterwochenende zu beteiligen. Lernen und Üben in der Gemeinschaft hat sehr viel Spaß gemacht!

Peppi Grill, Touren- und Ausbildungsreferent

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