Vom Wanderer zum Bergsteiger – Eis

22.08. - 24.08.2021

Der diesjährige Stützpunkt für den Kurs war von Jupp auf die Wiesbadner Hütte im Silvretta-Gebiet gelegt worden. Wir starteten die Tour morgens um 5 Uhr am Pendlerparkplatz in Aiterhofen und fuhren vier Stunden, bis wir am Silvretta-Stausee in Österreich ankamen und von dort noch bei leichtem Nieselregen losgingen. Die erste Hälfte des Weges ging seicht bergauf, bevor dann auf einem kurzen Stück die 400 Höhenmeter bis zur Hütte bezwungen werden mussten. Mittlerweile kam auch die Sonne ein wenig durch die Wolken und wir konnten uns aus den Regenklamotten herausschälen. An der Hütte angekommen, räumten wir schnell unsere Rucksäcke aus und machten uns auf zum Vermunt-Gletscher, um dort den elementaren Umgang mit Steigeisen und Eispickel zu erlernen. Die erste größere Gletscherbegehung in der Seilschaft ging dann auf den Vermunt-Pass (2797m). Ein Teil der Gruppe bestieg noch mit leichter Kletterei den Piz Mon (2982 m). Um 17:00 kamen wir nach einem kurzweiligen ersten Ausbildungstag zurück zur Hütte und genossen dort das Abendessen (Kartoffelsuppe / Mailänder Schnitzel / Vanillepudding) und fielen schon bald erschöpft ins Bett. Nach einer regenreichen Nacht gingen wir am nächsten Tag bei tiefhängenden Wolken auf die Suche nach dem Tiroler-Gletscher für den 2 Teil – Spaltenbergung und Fallübungen – der Ausbildung. Die Reste des Gletschers boten leider kein gutes Übungsgelände mehr, aber es fanden sich verschiedenen größere Schneefelder. So übten wir bei leichtem Schneefall den Bau eines T-Ankers und die Spaltenbergung via Mannschaftszug. Anschließend machten wir auf einem steileren Schneefeld an der Flanke des Tiroler Kreuz Fallübungen, bevor wir uns wieder Richtung Hütte begaben. Auf dem Rückweg bestieg noch ein Teil der Gruppe den Vermuntkopf (2851m) bevor wir eine kurze Rast zum Aufwärmen auf der Hütte einlegten, während Jupp für den Nachmittag das Übungsgelände für die Selbstrettung aus der Spalte im Klettergelände in der Nähe der Hütte vorbereitete. Bei trockenen Bedingungen konnten wir die Erfahrung machen mit wie wenig Hilfsmittel man sich selbst an einem Seil in die Höhe arbeiten kann, aber auch wieviel Kraft dieses kostet – Aufprusiken und Sebstflaschenzug mit Gardaklemme.

Voller Vorfreude gingen wir nach dem Abendessen (Nudelsuppe / Geschnetzeltes auf Reis / Mousse àu Chocolat) ins Bett, denn am nächsten Tag wollten wir den Piz Buin – den höchsten Berg im Voralberg – besteigen. Am nächsten Morgen machten wir uns um 6.30 Uhr auf, um den Tag möglichst gut nutzen zu können. Den Gipfel konnte man von der Hütte aus sehen, aber auch den Gletscher, den es im Vorfeld zu überqueren galt. Am Gletscher machten wir uns als 6 Seilschaft auf. Es galt einige Spalten zu überqueren und sich auf dem Gelände zu orientieren, da sich mittlerweile die Berge wieder in Wolken verhangen hatten. Der frühe Abmarsch an der Hütte wurde mit der absoluten Ruhe auf dem Gletscher belohnt. In der Buinlücke wurden dann die Steigeisen abgelegt und die letzten 300 m bis auf den Gipfel in Angriff genommen. Die schwierige Kletterei bis UIAA II stellte, neben den Wetterbedingungen insbesondere die kleineren Teilnehmer des Kurses vor Herausforderungen, so dass diese an einer windgeschützten Stelle gesichert durch ein Bandschlinge beschlossen, die letzten 150 m nicht mehr zu steigen und hier auf den Rest der Gruppe zu warten. Während der Rest der Gruppe in den Wolken auf den Gipfel (3312m) gingen, wurden die zurückgebliebenen mit einer kurzen Wolkenlücke und grandioser Aussicht belohnt und die Wartezeit verkürzt. Immer wieder konnte man während des Aufstiegs auch Steinschläge vom kleinen Piz Buin beobachten, die neben dem deutlichen Rückgang der Gletscher sinnbildlich für den Klimawandel in den Alpen stehen. Hierbei wünschte man sich umso mehr, dass man nie in einen solchen Steinschlag mit Felsbrocken von bis zu 80cm Durchmesser, die wie Flipperkugeln den Hang „runterspringen“, kommen würde. Auf dem Gipfel selbst ging es nach einer kurze Fotopause, aufgrund des eher ungemütlichen Wetters, schnell wieder zurück. Durch die kurzzeitig bessere Sicht ging der Weg auf dem Gletscher in der Seilschaft dann zügig voran. Kurz gab es noch die Überlegung, das Silvrettahorn auf dem Rückweg zu besteigen, was aber auch aufgrund der bisherigen anstrengenden Tage und der Aussicht auf erneute schwierige Kletterei für die jüngeren und den ältesten Teilnehmer verworfen wurde. Der Rückweg wurde passend zum Wetter der letzten Tage mit leichtem Nieselregen begleitet. Nachdem wir zeitig an der Hütte waren, beschlossen wir nach einer stärkenden Brotzeit und aufgrund der unsicheren Wetterlage für den Nachmittag, bereits einen Tag früher abzusteigen, denn die Schulungsinhalte waren bereits an den Vortagen alle geschult worden. So stiegen wir ab und erreichten gegen 16:30, jetzt bei leichtem Sonnenschein die Autos am Silvretta-Stausee. Der Piz Buin und die umliegenden Gipfel blieben aber leider weiterhin in den Wolken verborgen. So endeten die sehr schönen und lehrreichen Tage wie Sie begonnen hatten mit wechselhaftem Wetter und ohne ein grandioses Bergpanorama. Danke Jupp für die Geduld und die imposanten Naturerlebnisse. Meinen Jungs und mir hast du die Berge nähergebracht und wir werden auf dein gelegtes Fundament aufsatteln.

Jochen, Alexander und Konstantin

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